Seit den 80er Jahren verboten
PCB-haltige Lacksplitter verunreinigen Geflügelfutter bei Agravis

Münster -

In Zeiten von Massentierhaltung und indus­trieller Futtermittelproduktion können schon Kleinigkeiten weitreichende Folgen haben. Lackabsplitterungen in Futtermitteltanks im Agravis-Werk Minden haben Hunderte Tonnen Geflügelfutter mit PCB verunreinigt – einer giftigen und krebserregenden Chlorverbindung, die unter anderem als Weichmacher in Lacken verwendet wird. „PCB-haltige Farben sind seit den 80er Jahren verboten. Der Lack muss also sehr alt sein“, erklärte eine Sprecherin des NRW-Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) am Donnerstag.

Donnerstag, 15.11.2018, 17:21 Uhr aktualisiert: 15.11.2018, 17:31 Uhr
Hähnchen in einem Geflügelmastbetrieb: Mit PCB-belastetes Fleisch und Eier sind nach Angaben der Behörden aus dem Verkehr gezogen worden, noch ehe sie in den Handel gelangten. Erste auffällige Proben waren bereits im Oktober genommen worden.
Hähnchen in einem Geflügelmastbetrieb: Mit PCB-belastetes Fleisch und Eier sind nach Angaben der Behörden aus dem Verkehr gezogen worden, noch ehe sie in den Handel gelangten. Erste auffällige Proben waren bereits im Oktober genommen worden. Foto: dpa

Nach Angaben der Behörden sind etwa 290 Tonnen des verseuchten Futters in NRW und Niedersachsen ausgeliefert worden. Wie Agravis-Sprecher Bernd Homann am Donnerstag in Münster erklärte, sei indes nur ein geringer Teil der Gesamtproduktion am Standort Minden betroffen: „Wir reden über weniger als ein Fünftel einer Tagesproduktion.“ Agravis bedauere den Vorfall und habe „unverzüglich Maßnahmen ergriffen, um einen solchen Vorfall in Zukunft zu vermeiden“. Die betroffenen Silos – sogenannten Fertigwarenzellen – seien aus der Produktion genommen worden.

41 Höfen in NRW gesperrt

Aufgefallen war die PCB-Verunreinigung bei einer Routinekontrolle in einem Schlachtbetrieb in Ostwestfalen. Die Behörden sperrten daraufhin insgesamt 41 Höfen in NRW – darunter 24 Masthähnchen- und sieben Legehennenbetriebe, acht Putenmastbetriebe sowie zwei Enten- und Gänsehaltungen. In Niedersachsen sind knapp 30 Betriebe betroffen, die von Agravis beliefert worden waren. Allein in einem Betrieb in Nienburg wurden bei 4000 Puten überschrittene Höchstwerte festgestellt. Auch mehrere Betriebe in Ostdeutschland wurden vorsorglich per amtlicher Anordnung geschlossen.

Eine akute Gesundheitsgefahr liegt nach Angaben des Landesumweltamtes nicht vor. Sowohl das belastete Geflügelfleisch als auch Eier seien rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen worden, noch ehe sie in den Handel gelangten, erklärte eine Sprecherin. Nach Angaben des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wiesen die „betroffenen Futtermittelchargen teilweise deutliche (zehnfache) Höchstgehaltsüberschreitungen bei ndl-PCBs auf.“

Erste auffällige Funde bereits im Oktober 

Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast informierte am Donnerstag den Landtag in Hannover über den Fall. Demnach ist Niedersachsen am 2. November vom Land NRW darüber informiert worden, dass bei der Untersuchung einer Masthähnchen-Probe eine Überschreitung des Höchstgehalts festgestellt wurde. Erst sieben Tage später hätten die Behörden aus dem Nachbarland weitere, von Futtermittellieferungen betroffene Betriebe nachgemeldet. „Dadurch hat sich die Zahl der insgesamt betroffenen Betriebe in Niedersachsen deutlich erhöht“, sagte Otte-Kinast. Erste auffällige Funde hatten Veterinäre bereits im Oktober in Paderborn gemacht.

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