Römer in der Offensive
LWL-Museum in Haltern will historisches Lager neu errichten

Haltern -

„Maßstabgebend.“ Am Dienstag war dies das Lieblingswort Matthias Löbs. Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) besuchte das Römermuseum in Haltern. Das existiert seit 25 Jahren. Grund also, zurückzublicken und nach vorne zu schauen. Beides taten Löb, Museumsdirektor Dr. Josef Mühlenbrock und Museumspädagogin Renate Wiechers. Und wiesen fast nebenbei auf die Geburtstagsfeier am Sonntag hin, mit freiem Eintritt und besonderem Programm.

Dienstag, 20.11.2018, 16:40 Uhr aktualisiert: 20.11.2018, 16:56 Uhr
Die Rekonstruktion von Wall und Westtor ist ganz schön imposant – und gibt einen Eindruck vom früheren Römer-Kastell Aliso.
Die Rekonstruktion von Wall und Westtor ist ganz schön imposant – und gibt einen Eindruck vom früheren Römer-Kastell Aliso. Foto: LWL

Das LWL-Römermuseum in Haltern ist vor allem aus einem Grund besonders: Es thront quasi über dem, was es zum Inhalt hat. „Nach allem, was wir wissen, befand sich hier das alte Kastell Aliso“, sagte Löb . Vor dort aus planten die Römer alle Aktivitäten in Germanien. Auch die Varus-Schlacht, die neun nach Christus aus ihrer Sicht so furchtbar in die Hose ging…

„Maßstabbildend“ sei damit quasi der Originalschauplatz des Museums. „Maßstabgebend“ ist nach wie vor auch die Ausgrabungsmethodik. 1899 fanden in Haltern die ersten Grabungen statt, deren Technik noch heute angewandt und im Mittelmeerraum zur Datierung von Funden verwendet wird. „1200 Originalexponate wurde im Laufe der Jahre hier gefunden“, sagte Mühlenbrock . Ein Großteil davon ist im Museum zu sehen.

Das gibt es in der jetzigen Form seit 1993 – selbstverständlich in „maßstabgebender“ Architektur – und ausdrücklich als Mit machmuseum angelegt. „Hier ist anfassen ausdrücklich erwünscht“, sagte Löb. Was die Besucher – vor allem Familien mit Kindern – gerne annehmen. 1,3 Millionen Interessierte kamen seither ins Museum, durchschnittlich 50 000 pro Jahr. Nicht zuletzt auch wegen der Wechselausstellungen, mit der Imperi­um-Schau zum Varus-Jahr 2009 als Höhepunkt.

Das LWL-Römermuseum in Haltern wird 25 Jahre alt

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  • Kuchen zum Geburtstag: Das LWL-Römermuseum in Haltern wird 25.

    Foto: Prahl-Recke
  • Der Museumsgeburtstag wird mit frisch gebackenem Brot und römischen Gewürzwein gefeiert.

    Foto: LWL/P. Jülich
  • Das LWL-Römermuseum sucht Rekruten für eine neue Truppe, die über den Winter in Kursen am Museum ausgebildet werden.

    Foto: LWL/P. Jülich
  • Römer live! "Echte" Römerinnen und Römer geben am Museumsgeburtstag Einblick in die römische Lebensweise.

    Foto: LWL/P. Jülich
  • Bilder, Filme und Präsentationen werfen einen Rückblick auf 25 Jahre Römermuseum, wie auf die Sonderausstellung "Die letzten Stunden von Herculaneum" 2005.

    Foto: LWL
  • Die große Varusschlacht-Ausstellung "Imperium" im Jahr 2009 war mit über 165.000 Gästen die besucherstärkste des Museums.

    Foto: Atelier Hähnel-Bökens

Auf Rückblick folgte Ausblick. Der LWL hat in Haltern Großes vor. Hinter dem rekonstruierten Aliso-Westtor erstreckt sich seit Jahr und Tag eine große Freifläche. Dort vermuten Archäologen das frühere Hauptlager der Römer. Und das soll nicht nur ausgegraben, sondern quasi neu errichtet werden. „Beides geschieht in Form experimenteller Ar­chäo­lo­gie“, erklärte Mühlen brock. „Römerbaustelle“ heißt das Projekt darum. Als erstes soll das alte Torhaus zu neuem Leben erwachen. Dass es das gab, ist belegt. „Darin lagerten die Römer ihre Kampfmaschinen“, sagte der Museumschef.

Was wäre eine Römerbaustelle ohne Römer? Das Museum will die 19. Legion auferstehen lassen. In Haltern war sie damals stationiert. In Kalkriese ging sie neun nach Christus unter. „Wir suchen darum Freiwillige“, appellierte Mühlenbrock.

Geburtstagsfeier

Am kommenden Sonntag, 25. November, feiert das Römermuseum in Haltern von 10 bis 18 Uhr seinen 25. Geburtstag. „An diesem Tag ist der Eintritt frei“, sagt Museumspädagogin Renate Wiechers. Freizeit-Römer stellen vor Ort sich und ihr Hobby vor. Sie zeigen, wie Kettenhemden geschmiedet und Lederzelte genäht werden. Der Museumsbesuch ist zugleich Startschuss für die Suche nach Interessierten, die Spaß und Freude daran haben, das Römerlager ab der nächsten Saison als Legionäre mit Leben zu erfüllen. Ein halbes Jahr dauert der Vorbereitungskurs. | www.lwl-roemermuseum-haltern.de

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