A30-Lückenschluss
Nie mehr im Stau ersticken: Bad Oeynhausen und Autofahrer atmen auf

Bad Oeynhausen -

Der Name Bad Oeynhausen steht für viele Autofahrer nicht für einen schönen Kurort, sondern für Stop and Go im Dauerstau. Auch die Bürger der Stadt leiden unter der Blechlawine. Ab Dezember soll die Autobahn A30 nicht mehr durch die Stadt, sondern um sie herum führen.

Mittwoch, 05.12.2018, 20:22 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 12:40 Uhr
A30-Lückenschluss: Nie mehr im Stau ersticken: Bad Oeynhausen und Autofahrer atmen auf
Das Luftbild einer Drohne zeigt ein noch abgesperrtes Teilstück der Autobahn A30. Foto: Friso Gentsch/dpa

Endlos schiebt sich die Blechlawine durch die Stadt. Stop and Go, den ganzen Tag lang. Bis zu 50.000 Fahrzeuge schlängeln sich täglich durch Bad Oeynhausen. Mitten in der Stadt verläuft die Verbindung zwischen zwei der wichtigsten Ost-West-Autobahnen Deutschlands. Wenn die aus Amsterdam kommende Autobahn A30 auf die Autobahn 2 trifft, geht tagsüber fast nichts mehr in der Innenstadt des Kurortes.

Aber die Zeiten bessern sich: In den kommenden zwei Wochen soll die langerwartete 9,5 Kilometer lange Nordumgehung in Etappen freigegeben werden. Am Donnerstag wird die Straße symbolisch von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst ( CDU) und Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium frei gegeben. Tatsächlich rollt der Verkehr aber erst ab dem 9. Dezember, und zunächst auch nur in Richtung Osnabrück.

Gute Nachrichten für die Wirtschaft

Mit der Nordumgehung werde Bad Oeynhausen aufatmen, sagt der Bürgermeister des Kurortes, Achim Wilmsmeier (SPD). „Das bedeutet, dass wir endlich von dem Verkehr in der Innenstadt befreit werden und die Möglichkeit bekommen, das ganze baulich umzugestalten.“ Der Lastwagenanteil der Blechlawine betrage mehr als 20 Prozent - unter der Kolonne von Sattelschleppern und Tiefladern ächzt die 49 000-Einwohnerstadt heute ebenso wie unter den Pendlern aus Niedersachsen und Westfalen. Der Straße sind die Strapazen anzusehen: Unter den 40-Tonnern ist die vierspurige Ortsdurchfahrt wellig geworden.

Die A30, die in der Stadt selber zur Bundesstraße 61 wird, trenne Bad Oeynhausen zwischen Nord und Süd, sagt Wilmsmeier. „Jeder überlegt sich gut zu bestimmten Zeiten, wie er von der einen in die andere Richtung kommt.“ So paradox das klingt: Die Fernverkehrsstraße blockiert bislang die Zufahrt zur Innenstadt. Auch bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer in Bielefeld sieht man Chancen, dass der Einzelhandel der Kurstadt von der Nordumgehung profitiert, sagt Kammer-Sprecher Jörg Deibert.

Die Nordumgehung bedeutet auch gute Nachrichten für die Wirtschaft gleich mehrerer Nachbarregionen. „Sie verbindet die Häfen in Belgien und den Niederlanden mit Osteuropa“, sagt Deibert. Die Region werde attraktiver für Firmenansiedlungen. Der Lastwagenverkehr auf dieser Achse werde in den nächsten Jahren noch steigen, prognostiziert Deibert.

Oeynhausen-01
Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

Lückenschluss von europäischer Bedeutung

Seine Kollegin Anke Schweda von der IHK in Osnabrück sagt: „Mit der Nordumgehung verschwinden die letzten Ampeln auf der Autobahn zwischen Amsterdam und Warschau.“ Joachim Brendel, Verkehrsexperte bei der IHK Nord-Westfalen in Münster, weist darauf hin, dass die A30 für große Teile des Münsterlandes die wichtigste Autoverbindung Richtung Osten ist. „Wenn ich als Münsteraner nach Hannover will, gibt es nur einen Weg: Von der A1 zum Kreuz Lotte und dann auf die A30.“

„Die A30 ist Teil des transeuropäischen Nord-Ostsee-Korridornetzes“, erklärt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Somit sei der Lückenschluss von europäischer Bedeutung. Der Autoclub weist auf zwei weitere vergleichbare Lücken im deutschen Autobahnnetz hin: Auf den Lückenschluss der Autobahn 1 in der Eifel und auf den Lückenschluss der A143 westlich von Halle. Zu den wichtigen Neubaumaßnahmen zählt der ADAC die A14, die Küstenautobahn A20 und die A39. Zudem gebe es noch Lücken von geringerer Bedeutung: Auf der A22 von Hamburg nach Kiel der Lückenschluss südlich von Kiel, auf der A33 der Lückenschluss östlich von Osnabrück, und der Lückenschluss der A94 östlich von München.

Weniger Lärmbelästigung

„Wir werden viel Zeit sparen“, sagt Matthias Magnor, Geschäftsführer für Straße und Schiene beim Osnabrücker Logistikdienstleister Hellmann. Bislang hätten die Lastwagen zwischen 20 Minuten und einer ganzen Stunde auf dem Weg verloren. „Dadurch rückt auch der Westen Niedersachsens ein wenig näher an die Landeshauptstadt Hannover“, schätzt er. Zum Beispiel werde damit auch der Flughafen der Niedersachsen-Metropole für ihn als Geschäftsmann attraktiver. Bislang nutzt der Manager noch häufig den Airport in Düsseldorf. Aber der sei vor allem wegen des überlasteten Autobahnnetzes im Rhein-Ruhrgebiet drei Stunden von Osnabrück entfernt. In Hannover könnte man nach dem Lückenschluss in einer guten Stunde sein - sofern es nicht Stau auf der A 2 gibt, was nicht gerade selten ist.

Jens Serowy, Leiter Fuhrpark bei der Spedition Koch International, weist auf weitere Vorteile hin: „Durch den Wegfall des Stop-and-go-Verkehrs wird darüber hinaus der Kraftstoffverbrauch des LKW und Verschleiß von Fahrzeugteilen reduziert.“

Die Menschen in Bad Oeynhausen freuen sich nun, in den nächsten Jahren die frei gewordene B 61 umbauen zu können, sagt Bürgermeister Wilmsmeier. Gedacht ist zum Beispiel an einen Rad-Schnellweg. Die Planungen laufen noch. Wichtig sei nun, dass die Bürger im Norden Bad Oeynhausens nicht über Gebühr mit Lärm belastet werden. „Dort, wo jetzt die Autobahn gebaut wurde, war vorher nichts als Natur.“ Eine Bürgerinitiative hatte den Bau jahrelang verhindert; erst das Bundesverwaltungsgericht machte im Sommer 2008 den Weg für die Bagger frei. Jetzt sollen 12.800 Quadratmeter Lärmschutzwände und 120.000 Quadratmeter Erdwälle die Anwohner vor Verkehrslärm schützen.

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