Stutthof-Prozess
Ehemaliger SS-Wachmann weiterhin krank: Gericht berät

Münster -

Im Prozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof ist der Angeklagte weiter verhandlungsunfähig. Das Landgericht Münster sagte deshalb den Termin für Dienstag ab. 

Montag, 10.12.2018, 11:14 Uhr aktualisiert: 10.12.2018, 17:43 Uhr
Das Landgericht in Münster.
Das Landgericht in Münster. Foto: Marcel Kusch

Nach Auskunft eines Sprechers wird der 95 Jahre alte Angeklagte auch am Donnerstag fehlen. Verhandeln will der Vorsitzende Richter Rainer Brackhane dann ohne den Angeklagten, der zuletzt am 22. November erschienen war. Mit allen Prozessbeteiligten will das Gericht am 13. Dezember über das weitere Vorgehen beraten. Ein medizinischer Sachverständige soll dabei ein mündliches Gutachten über den gesundheitlichen Zustand des Angeklagten vortragen.

Der Stutthof-Prozess vor dem Landgericht Münster

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  • Der 94-jährige Johann R. aus dem Kreis Borken muss sich seit dem 6. November 2018 wegen Beihilfe zum Mord in Hunderten Fällen verantworten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • R. war seinerzeit Wachmann im Konzentrationslager Stutthof.

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  • Der Prozess findet im Landgericht in Münster statt.

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  • Das öffentliche Interesse ist groß. An den Verhandlungstagen bilden sich regelmäßig lange Schlangen vor der Einlasskontrolle des Landgerichts.

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  • Vertreten wird Johann R. durch seine Verteidiger Jürgen Föcking (links) und Andreas Tinkl.

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  • Anklage erhoben habem die Staatsanwälte Carsten Dombert (links) und Andreas Brendel.

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  • Das Gesicht des Angeklagten muss auf Anordnung des Gerichts unkenntlich gemacht werden.

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  • An den Verhandlungstagen wird der Angeklagte im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Die akten zum Prozess füllen ein ganzen Regal.

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Die Anklage wirft dem Mann aus dem Kreis Borken hundertfache Beihilfe zum Mord in dem deutschen KZ bei Danzig von 1942 bis 1944 vor. Der in Rumänien geborene Deutsche bestreitet, von dem systematischen Morden gewusst zu haben. Nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralen Stelle in Ludwigsburg starben bis Kriegsende 65 000 Menschen in Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen.

 

Vergessenes Lager mit großer Bedeutung

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  • Auschwitz kennt jeder. Aber Stutthof? Das Konzentrationslager vor den Toren Danzig war klein, viel kleiner als Auschwitz, vielleicht auch weniger dämonisch. Ein Ort des Schreckens, der Qual, des Todes war es allemal.

    Foto: Kerstin Zimmermann
  • Kerstin Zimmermann, studierte Historikerin, Angestellte der Stadt Coesfeld und dort für die kommunalen Museen zuständig, beschäftigt sich in ihrer Freizeit schon seit Jahren mit dem Lager Sutthof.

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  • Stutthof wurde ab 1943 bedeutend. Nach Stalingrad wurde aus dem deutschen Vormarsch ein Rückzug, der auch dazu führte, dass die Ghettos und Konzentrationslager im Osten peu à peu aufgegeben werden mussten. „Das Konzentrationslager Stutthof war ab 1943 der Dreh- und Angelpunkt für die Verteilung der Menschen“, sagt Zimmermann. Tausende kamen täglich dort an. Aus dem Ghetto Riga, aus dem KZ Kaiserwald, auch aus Auschwitz.

    Foto: Kerstin Zimmermann
  • Als Kerstin Zimmermann im vergangenen Jahr von der Anklage gegen zwei frühere SS-Wachmänner aus dem Kreis Borken und der Stadt Wuppertal erfuhr, war sie mehr als überrascht. „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“ Die beiden, heute über 90 Jahre alten Männer, waren während des Krieges für längere Zeit in Sutthof stationiert. Der Vorwurf: Beihilfe zum Mord in Hunderten Fällen.

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  • Häftlings-Unterlagen mit regionalem Bezug. Die Gefangene, zu der diese Karte gehört, stammte aus Burgsteinfurt.

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  • Bis zu 85 000 Menschen sind in Stutthof gestorben. Sie wurden erschlagen, erhängt, erschossen, vergiftet und vergast. Viele starben auch infolge elender Zustände: Im Lager herrschten miserable hygienische Zustände, es gab zu wenig zu essen, die Unterbringung war mies, die Arbeit hart.

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  • Wie kommt jemand dazu, sich so sehr für dieses Thema zu interessieren? „Den Anfang haben die Coesfelder Juden gemacht“, erzählt sie. Im Stadtarchiv gibt es noch alte Personenstandskarten. Wo sind die Menschen geblieben? Aus der Frage wurde Leidenschaft. Die heute 65-Jährige machte sich auf die Suche – und wurde von dem Thema förmlich gepackt. Aktenstudium hier und da, Quellenkunde im Holocaust-Archiv des Internationalen Roten Kreuz in Bad Arolsen, Spurensuche in Stutthof. Was lokal begann, wurde immer größer, umfassender, komplexer. „Ich habe irgendwann begonnen, über den Tellerrand zu schauen“, sagt sie.

    Foto: Kerstin Zimmermann
  • Es wird davon ausgegangen, dass die Zustände auf Betreiben der Lagerleitung und SS-Führung absichtlich sehr schlecht waren, damit Menschen starben. Nachgewiesen ist auch, dass im Winter 1943/44 eine unbekannte Anzahl von Gefangenen getötet wurden, indem man sie erfrieren ließ.

    Foto: Kerstin Zimmermann
  • Der Eingang zum Lager bei Nacht. Dass jemand wie der beschuldigte Ex-SS-Mann aus dem Kreis Borken, der nachweislich von Juni 1942 bis September 1944 in Stutthof als Wachmann eingesetzt war, von dem tagtäglichen Grauen und den systematischen Verbrechen nichts mitbekommen haben will, ist ihr unbegreiflich. „Der Mann war da, als die großen Transporte kamen“, sagt Zimmermann. Er war aber nicht mehr vor Ort, als aus dem Konzentrationslager Sutthof ein Vernichtungslager wurde.

    Foto: Kerstin Zimmermann

 

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