Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch
Land kündigt finanzielle Unterstützung für Paare an

Düsseldorf -

Drei Versuche zahlt die Krankenkasse, danach ist jeder auf sich selbst gestellt. Für ungewollt kinderlose Paare will das Land deshalb die Möglichkeiten erweitern, um mit medizinischer Hilfe vielleicht doch noch eigenen Nachwuchs zu zeugen. 

Donnerstag, 13.12.2018, 20:48 Uhr
Familienminister Joachim Stamp
Familienminister Joachim Stamp Foto: dpa

Ab Sommer nächsten Jahres können betroffene Paare finanzielle Unterstützung beantragen, wenn die Krankenkasse keinen weiteren Versuch einer künstlichen Befruchtung mehr bezahlt, kündigte NRW-Familienminister Joachim Stamp im Landtag an. Er setzt damit eine von den Fraktionen von CDU , SPD , FDP und Grünen getragene Initiative um, für die bereits 3,9 Millionen Euro im Haushalt 2019 eingeplant sind. Die AfD enthielt sich.

Für Paare sei der unerfüllte Kinderwunsch eine große Belastung, die sogar oft die Beziehung gefährde, sagte der CDU-Abgeordnete Stefan Nacke . „Wir wissen auch, dass die Reproduktionsmedizin nur Wahrscheinlichkeiten erhöht.“ Es gehe aber darum, ungewollt kinderlosen Paaren den Zugang zu weiteren Versuchen zu ermöglichen und sie dafür von hohen finanziellen Anforderungen zu entlasten. So liegen die Kosten für eine In-vitro-Fertilisation bei rund 3000 Euro je Zyklus, weitere 1500 Euro kostet eine vorher beginnende Hormontherapie. Die Wahrscheinlichkeit, so schwanger zu werden, liegt bei 30 Prozent. „Es gibt heute kein Recht auf ein Kind“, betonte Nacke.

Die Grünen-Abgeordnete Josefine Paul betonte, der Zugang zur Reproduktionsmedizin müsse für alle Paare gelten. „Er darf kein Privileg Besserverdienender sein.“

Mit dem Landtagsbeschluss eröffnet sich für betroffene Paare zugleich die Möglichkeit, von einem seit 2012 bestehenden Förderprogramm des Bundesfamilienministeriums zu profitieren. Dessen Hilfen sind daran gekoppelt, dass sich die Bundesländer finanziell beteiligen. NRW ist das achte Land, das sich dem Programm anschließt.

Die SPD-Abgeordnete Angela Lück verwies auf eine Studie des Ministeriums, wonach in der Gruppe der 20- bis 50-jährigen Frauen und Männer ohne Kinder 25 Prozent ungewollt kinderlos sind. Lück beschrieb wie auch andere Abgeordnete die Entwicklung, dass Paare sich immer später zur Familiengründung entscheiden – oft auch aus beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen. Auf diese Entwicklung gelte es zu reagieren.

In den sieben Bundesländern, die vor NRW ein Förderprogramm aufgelegt haben, seien in der Folge seitdem rund 2360 Kinder geboren worden, warb FDP-Fraktionsvize Marcel Hafke für das neue Programm. Familienminister Stamp kündigte an, die bestehende Altersobergrenze zur Teilnahme von 39 Jahren für Frauen und 49 Jahren für Männer sei nicht mehr zeitgemäß. Diese müsse neu definiert werden.

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