Verkehrsminister Wüst stellt Azubi-Ticket vor
Für 62 Euro durch Westfalen

Düsseldorf - Die rund 300.000 Azubis in NRW ziehen mit den Studierenden gleich: Ab dem 1. August können sie mit einem verbilligten Azubi-Ticket den Nahverkehr in ihrer Region oder gegen einen Aufpreis auch landesweit nutzen. Möglich wird dies, weil das Land ein entsprechendes Angebot in Westfalen-Lippe finanziell unterstützt. Geplant ist ein digitales Ticket als Chipkarte.

Mittwoch, 23.01.2019, 11:28 Uhr aktualisiert: 23.01.2019, 16:40 Uhr
Verkehrsminister Wüst stellt Azubi-Ticket vor: Für 62 Euro durch Westfalen
Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa (Symbolbild)

Für 62 Euro im Monat können Auszubildende, Beamtenanwärter, Meisterschüler und Absolventen eines sozialen Jahres ab August Busse und Bahnen im Verkehrsverbund Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) nutzen. Mit einem Aufschlag von monatlich 20 Euro können sie ein in ganz NRW geltendes Nahverkehrsticket lösen. Diese Eckpunkte des neuen Azubi-Tickets hat Verkehrsminister Hendrik Wüst ( CDU ) am Mittwoch vorgestellt. „Damit schaffen wir im ersten Schritt vergleichbare Bedingungen.“ 

In den Verkehrsverbünden vom Ruhrgebiet bis nach Aachen können Auszubildende bereits jetzt Monatskarten für monatlich etwas über 60 Euro kaufen, Problemzone war Westfalen-Lippe insbesondere wegen der weiten Strecken. Bestehende kommunale Angebote wie in Münster (ca. 34 Euro monatlich) oder Paderborn (ca. 49 Euro) bleiben unberührt, sagte Wüst. Damit das Angebot westfalenweit auch im ländlichen Raum gilt, zahlt das Land dem NWL in diesem Jahr 2,5 Millionen Euro, vier Millionen Euro jährlich werden es ab 2020. Den Zuschlag für ein landesweites Azubi-Ticket lässt sich das Land 2019 weitere 2,5 Millionen Euro kosten, 2020 sind 4,9 Millionen eingeplant.

NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert will bei den Ausbildungsbetrieben dafür werben, dass sie sich an den Ticket-Kosten beteiligen. Er sieht darin eine große Chance, das Firmen sich für Auszubildende attraktiv machen und auch weiter entfernt wohnende Bewerber für sich interessieren. „Das ist ein starkes Signal für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung“, sagte Ehlert. „Wir möchten, dass unsere Betriebe das nutzen.“

Anders als das Semesterticket für Studierende ist das Azubi-Ticket ein freiwilliges Angebot. Damit begründete Wüst auch die Preisunterschiede. Das Semesterticket koste monatlich knapp 34 Euro, weil es verpflichtend von allen Studierenden bezahlt werde. „Wenn bei 600.000 Studierenden kassiert und weiß, dass nur 300.000 es nutzen, kann man schon damit kalkulieren“, meinte Wüst. Auch sei das Nahverkehrsangebot in Hochschulstädten weit besser als im ländlichen Raum in Westfalen. 

Den Ausbildungsverkehr in NRW subventioniert das Land jährlich mit rund 130 Millionen Euro. Etwa 21 Millionen fließen ins Semesterticket, eine ähnlich hohe Summe erhalten schon jetzt die Anbieter von Azubi-Tickets. Für Schüler gibt das Land 90 Millionen Euro. 

Die Industrie- und Handelskammer NRW begrüßte den Durchbruch für das Azubi-Ticket. Ob der Preis von bis zu 80 Euro angemessen sei und akzeptiert werde, müsse sich aber erst noch zeigen. Die IHK verwies auf eine Umfrage der Kammern in NRW unter den Auszubildenden, in der ein Drittel moniert hatte, dass die Ausbildungsstelle mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht zu erreichen sei. In ländlichen Regionen liege dieser Anteil höher. Wüst selbst betonte, die Zuschüsse seien nur für die Realisierung des Azubi-Tickets geplant, nicht für ein besseres Angebot.

Die SPD-Fraktion kritisierte Wüsts Angebot als „Mogelpackung“. Zwei Jahre lang hätten CDU und FDP eine Lösung blockiert, sagte Fraktionsvize Jochen Ott. Mit dem höheren Preis würden Auszubildende schlechter gestellt als Studierende. 

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