Streit um Ausbildungskosten
Notfallsanitäter dringend gesucht

Köln -

Rettungswagen sollen künftig von Notfallsanitätern besetzt werden. Die bisherigen Rettungsassistenten können sich weiterbilden. Wer muss dafür zahlen? Der Streit ums Geld hat Folgen.

Montag, 28.01.2019, 06:52 Uhr aktualisiert: 28.01.2019, 12:58 Uhr
Ein Rettungswagen fährt mit Blaulicht durch eine Straße.
Ein Rettungswagen fährt mit Blaulicht durch eine Straße. Foto: Marcel Kusch

Notfallsanitäter werden dringend gesucht. Im Rettungsdienst fehlten Fachkräfte, klagen Hilfsorganisationen. „Der Mangel ist jetzt schon massiv“, sagt Stefanie Kutschker , Sprecherin des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Nordrhein. „Auf ausgeschriebene Stellen melden sich kaum Bewerber.“ Neben der demografischen Entwicklung verschärft ein Gezerre um Kosten die Lage: Kommunen, Land und Krankenkassen streiten darum, wer die Notfallsanitäter-Ausbildung bezahlen muss.

Streit um Finanzierung

Hintergrund ist eine Gesetzesänderung. Der Bund hatte 2014 den neuen dreijährigen Ausbildungsberuf „Notfallsanitäter“ geschaffen, der den bisherigen „Rettungsassistenten“ ablösen soll. Die Frage der Finanzierung hatte der Bund dabei den Ländern überlassen. Nordrhein-Westfalen hat dies so geregelt: Für die Sicherstellung des Rettungsdienstes sind die Kreise und kreisfreien Städte als Träger verantwortlich. Die Kosten der Notfallsanitäter-Ausbildung sind Kosten des Rettungsdienstes und damit letztlich von den Krankenkassen zu tragen.

Doch das stößt bei den Krankenkassen auf Protest. „Es kann nicht sein, dass die Krankenkassen die Notfallsanitäter-Ausbildung zu 100 Prozent finanzieren sollen“, sagt eine Sprecherin des Verbands der Ersatzkassen (VdEK). „Das ist für uns eine Gemeinschaftsaufgabe, an der das Land sich beteiligen muss.“ Das Land und die Kommunen dagegen pochen auf das Gesetz. Die Finanzierungsverantwortung liege eindeutig bei den Kassen, erklärt der Städtetag. Das NRW-Gesundheitsministerium betont, die beschlossenen Regelungen seien geltendes Recht und von allen Beteiligten umzusetzen.

Was Notfallsanitäter von Rettungsassistenten unterscheidet

Die Zeit drängt. Rettungsassistenten können nur noch bis Ende 2020 eine Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter ablegen - nach Ablauf dieser Frist müssten sie eine komplette dreijährige Ausbildung durchlaufen. Und mit Ablauf des Jahres 2026 wird die Funktion des Rettungsassistenten vollständig durch den Notfallsanitäter ersetzt.

Notfallsanitäter haben eine höhere medizinische Qualifikation als Rettungsassistenten. So dürfen sie zum Beispiel Medikamente an Patienten verabreichen.

Notfallsanitäter

Der Beruf des Notfallsanitäters hat den bisherigen Rettungsassistenten als höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst abgelöst. Um der medizinischen Entwicklung im Rettungsdienst auch in der Ausbildung Rechnung zu tragen, wurde die Ausbildung von zwei auf drei Jahre verlängert. Der theoretische und praktische Unterricht wird in staatlich anerkannten Schulen durchgeführt. Die praktische Ausbildung wird an einer genehmigten Lehrrettungswache und an geeigneten Krankenhäusern durchgeführt. Rettungsassistenten erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung Notfallsanitäter zu führen, wenn sie bis zum 31. Dezember 2020 die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen.

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Flickenteppich in NRW

Als Folge der Unstimmigkeiten gebe es bei den Kommunen nun einen Flickenteppich, sagt Jörg Schmidt, Landesvorsitzender des Arbeitskreis Rettungsdienste der Berufsfeuerwehren: Während einige Kommunen - etwa Köln - bei der Finanzierung der Ausbildung in Vorleistung getreten seien, warteten andere erst mal weiter ab.

Eine unsichere Situation für die Hilfsdienste. Ein Mitarbeiter der Johanniter übergab Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vor einigen Wochen eine Petition mit 11.000 Unterschriften und der Bitte, nochmals auf die Kassen zuzugehen.

Das Ministerium steht nach eigenen Angaben mit allen Beteiligten in engem Austausch: „Der Dialog verläuft nach hiesiger Einschätzung konstruktiv“, teilt eine Sprecherin mit. Man sei zuversichtlich, „die noch verbliebenen Fragestellungen einiger Beteiligter (...) in naher Zukunft abschließend klären zu können.“

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