Musik
Rimini Protokoll inszeniert John-Cage-Stück

150 Opernarien in zweieinviertel Stunden - das ist kein Genuss für die Ohren. Jedenfalls nicht bei John Cage. Nun hat sich das Theaterkollektiv Rimini Protokoll das schwierige Musikstück vorgenommen.

Sonntag, 03.02.2019, 10:32 Uhr aktualisiert: 03.02.2019, 10:42 Uhr
Darsteller während der Inszenierung von «Play* Europeras 1&2» von John Cage.
Darsteller während der Inszenierung von «Play* Europeras 1&2» von John Cage. Foto: JENS GROSSMANN

Wuppertal (dpa) - Anstrengender Opernzirkus mit etwas Europa-Pessimismus: Das preisgekrönte Theaterkollektiv Rimini Protokoll hat erstmals ein Musiktheater-Stück inszeniert. An der Wuppertaler Oper feierte am Samstagabend die Opern-Collage «PLAY* Europeras 1&2» von John Cage Premiere. Regie führte Daniel Wetzel von Rimini Protokoll. Die Reaktionen waren geteilt.

In der 1987 uraufgeführten Oper «Europeras» ist der Zufall das Kompositionsprinzip. Aus rund 150 Opernarien werden Versatzstücke per Würfelprinzip kombiniert. Regie im dezimierten Orchester und auf der Bühne führen Stoppuhren. Im ersten Teil treten Sänger gar nicht live auf, sondern werden auf einer Videowand zeitgleich in verschiedenen europäischen Städten gezeigt, während sie Arien in Cafés, Metzgereien, Autowerkstätten oder auf der Straße singen. Ob Mozart, Strauss oder Bellini - welche Opern anklingen, geht in dem musikalischen Durcheinander weitgehend unter.

Vielen Zuschauern war das musikalische und filmische Wirrwarr zu anstrengend. Die Reihen lichteten sich während des Stücks stark. Diejenigen, die fast drei Stunden mit Pause durchhielten, spendeten langen Applaus. «Es gibt viele legitime Meinungen», sagte Intendant Berthold Schneider anschließend. Und fügte hinzu: Die Inszenierung sei eine «Riesenmaterialschlacht» gewesen. Die Oper Wuppertal hat unter Schneider eine überregional beachtete Reihe experimenteller Musikproduktionen hervorgebracht.

Ein aufblasbarer Fliegenpilz, ein Retro-Kinderwagen, ein Trampolin, vertrocknete Maispflanzen, eine ferngesteuerte Schlange mit rotglühenden Augen, ein Liegestuhl und Golfschläger sind diesmal nur einige der vielen absurden Requisiten. Außer einigen europa-pessimistischen Sätzen blieb die Inszenierung des für ihr politisch-dokumentarisches Theater bekannten Kollektivs Rimini Protokoll oberflächlich. Weniger Oper als karnevaleskes Happening spielte sich auf der Bühne ab. Das passt wiederum zum Avantgarde-Komponisten John Cage (1912-1992). Er stand auch Künstlern wie Marcel Duchamp und Joseph Beuys nahe.

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