Es reicht einfach nicht
Sozialverbände schlagen Alarm: Für neue Pflegestellen fehlt Personal

Düsseldorf -

Am liebsten zu Hause – oder wenigstens im Heimatort oder dem an­gestammten Stadtteil. Für 95 Prozent der älteren Menschen ist es der Idealfall, dass sie in ihrem Umfeld bleiben könnten – selbst wenn sie pflegebedürftig würden. Doch dieser Wunsch, den die Landesseniorenvertretung in einer Stellungnahme zur Situation der Altenpflege unterstreicht, gerät spätestens dann ins Wanken, wenn Angehörige im Ernstfall einen Pflegedienst nach dem anderen anrufen müssen, um eine ambulante Betreuung zu organisieren. 

Montag, 11.02.2019, 19:06 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 19:15 Uhr
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Allein die monatlich 9000 Absagen, die die ambulanten Dienste der Freien Wohlfahrtspflege geben müssen, „beschreiben eine Situation, die so nicht hinnehmbar ist“, stellt deren Vorstandsvorsitzender Chris­tian Heine-Göttelmann fest. Im Namen von Arbeiterwohlfahrt , Caritas , Diakonie und weiteren Sozialdiensten fordert er, die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich zu erhöhen. So sehen es viele Experten, die für eine von den Grünen beantragte Anhörung des Landtags am Mittwoch bereits schriftliche Expertisen vorgelegt haben.

Von den aktuell mehr als 769.000 pflegebedürftigen Menschen in NRW werden weit über 417 000 noch von Angehörigen betreut, wie aus Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums hervorgeht. Um 182.000 weitere Menschen kümmern sich ambulante Pflegedienste, etwa 170 000 leben in Heimen. Prognosen gehen davon aus, dass 2035 in NRW bis zu 900.000 Menschen pflege­bedürftig sind.

Die Forderung der Grünen, dass zu den bereits vom Bund zugesagten 13 000 Stellen des Pflege-Sofortprogramms weitere 25.000 Pflegekräfte eingestellt werden, stoßen bei den Experten zwar auf Wohlwollen Aber die Umsetzbarkeit zweifeln alle an. Es fehlt an Bewerbern: In NRW werden derzeit 18 900 Fachkräfte für die ­Altenpflege ausgebildet – drei Viertel sind weiblich. Aber allein um die aktuelle Lücke zu schließen, wären 14.000 Absolventen auf ei­nen Schlag notwendig. Dabei ist die Zahl der Plätze seit Einführung der Ausbildungsumlage massiv ge­stiegen. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) nennt das beispielgebend. Skeptisch sieht er, dass sich viele Kliniken auf auslän­dische Kräfte fokussieren: „Wir müssen ausbilden, ausbilden, ausbilden.“ Dafür habe das Land etwa die Schulkostenpauschale von 280 auf 380 Euro erhöht.

Der Personalengpass droht weiter zu steigen. Die Sozialverbände befürchten, dass die ab 2020 zusammen­geführte Ausbildung in Kranken- und Altenpflege zu einem Verlust an Aus­bildungsplätzen führt, weil die höheren Anforderungen Betriebe und Pflegeschulen überfordern könnten.

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