Bericht vor Familienausschuss des NRW-Landtages
Familienminister Stamp sieht Defizite im Umgang mit Verdachtsfällen

Lügde/Düsseldorf - Nach dem massenhaften Missbrauch von mindestens 31 Kindern auf einem Campingplatz in Lügde sieht NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) Defizite im Umgang der Jugendämter mit Verdachtsfällen.

Donnerstag, 14.02.2019, 14:54 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 17:58 Uhr
Der Campingplatz in Lügde. Foto: Christian Althoff
Der Campingplatz in Lügde. Foto: Christian Althoff

Es fehle etwa an der Expertise der Jugendämter, Anzeichen für Missbrauch zu erkennen, berichtete er am Donnerstag im Familienausschuss des Landtags von einem ersten Austausch mit Vertretern von Kinderschutz-Verbänden und Jugendämtern. »Wir sind längst nicht so weit, wie wir sein müssten.« Damit reagierte der Stamp auf eine am selben Tag bekannt gewordene Stellungnahme der Generalstaatsanwältin in Hamm .

Fachberatung der Jugendämter verbessern

Petra Hermes , die für ein Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter von Jugendämtern und Polizei noch keine ausreichende Grundlage sieht: »Nach meiner Bewertung rechtfertigt der berichtete Sachstand nicht die Aufnahme des Anfangsverdachts strafrechtlichen Verhaltens gegen Beamte der Kreispolizeibehörde Lippe und Mitarbeiter der Jugendämter der Kreise Hameln und Bad Pyrmont.« Der Minister betonte, es gelte den Ausgang der Ermittlungen abzuwarten. »Wir warten darauf, dass Staatsanwaltschaft und Polizei gründlich aufklären werden auch mit Blick auf mögliche Verfehlungen von Jugendämtern und anderen Akteuren.«

Stamp kündigte an, er wolle sowohl die zahlenmäßige Besetzung der 186 Jugendämter im Land als auch die Qualifikation bei der Prävention und bei akuter Gefahr für Kinder überprüfen. Zum Fall in Lügde merkte er an: »Ich kann nicht verstehen, warum man ein Kind auf einem Campingplatz wohnen lässt.« Er will auch die Fachberatung der Jugendämter verbessern und dafür auch Erfahrungen aus anderen Bundesländern einbeziehen. Im März soll ein zweites Fachgespräch folgen.

Unterschiedliche Strukturen

Die Grünen-Abgeordnete Josefine Paul forderte, nach dem Fall von Lügde müssten Probleme beim Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichen Behörden im Land und länderübergreifend angegangen werden. Die unterschiedlichen Strukturen der 186 Jugendämter gehören für den SPD-Familienpolitiker Dennis Maelzer ebenfalls in den Fokus. Es habe offensichtlich bei allen beteiligten Institutionen an der notwendigen Sensibilität gefehlt. Sein FDP-Kollege Marcel Hafke ergänzte: »Die Jugendämter müssen einheitlich in der Lage sein, mit solchen Problemfällen umzugehen.«

Missbrauch auf Campingplatz

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  • Drei Männer sollen auf einem Campingplatz in Lügde im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe 23 Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt haben.  

    Foto: Christian Müller
  • Der Campingplatz »Eichwald« in Lügde-Elbrinxen war bis Dienstag vor allem Dauercampern aus den Niederlanden und dem Ruhrgebiet bekannt.

    Foto: Christian Müller
  • Einer der Dauercamper, den hier alle kannten und beim Spitznamen riefen, soll zusammen mit zwei weiteren Männern Kinder missbraucht haben – insgesamt etwa 20, sagt die Staatsanwaltschaft Detmold.

    Foto: Christian Müller
  • Frank Schäfsmeier führt den Campingplatz »Eichwald« in Lügde. »Wir können nicht fassen, was hier passiert sein soll.« 

    Foto: Christian Müller
  • Polizisten haben rot-weißes Absperrband um die Parzelle gezogen, auf der der Hauptbeschuldigte seit Jahrzehnten gelebt hat. 

    Foto: Christian Müller
  • Dass der Junggeselle vor etwa zwei Jahren mit einem kleinen Mädchen auf dem Campingplatz »Eichwald« auftauchte, hat angeblich niemanden stutzig gemacht.

    Foto: Christian Müller
  • Zwei alte Wohnwagen, rundherum ein paar marode, hölzerne Anbauten...

    Foto: Christian Müller
  • ... die Unterkunft wirkt heruntergekommenen.

    Foto: Christian Müller
  • Ein arbeitsloser Junggeselle, der in einem Wohnwagen lebt und trotzdem nach eigenen Angaben vom Jugendamt ein Pflegekind anvertraut bekommt – der Fall wirft Fragen auf, zumal der Mann jetzt unter Missbrauchsverdacht in Untersuchungshaft sitzt. 

    Foto: Christian Müller
  • Ganz geheuer war die Sache dem Jugendamt aber wohl doch nicht. Nach  WESTFALEN-BLATT  -Informationen soll die Behörde den Mann aufgefordert haben, sich eine richtige Wohnung zu suchen.

    Foto: Christian Müller
  • Die fand er 2018 nicht weit vom Campingplatz entfernt über der früheren Sparkassenfiliale von Elbrinxen. 

    Foto: Christian Müller
  • Ein älterer Mann aus der Nachbarschaft: »Ich habe mitbekommen, dass er die Wohnung tapeziert hat. Aber eingezogen ist er bis heute nicht.« 

    Foto: Christian Müller
  • Die Pflegetochter soll aus dem benachbarten Niedersachsen stammen und ins zweite Schuljahr gehen. 

    Foto: Christian Müller
  • Sie soll ebenfalls zu den Opfern gehören und von ihrem Pflegevater missbraucht worden sein.

    Foto: Christian Müller
  • Die drei Verdächtigen - 56, 48 und 33 Jahre alte Männer - befinden sich in Untersuchungshaft.

    Foto: Christian Müller
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