NRW-Wirtschaft holt auf
Positiver Ausblick trotz konjunkturellen Gegenwinds

Düsseldorf -

Die Wirtschaft bleibt in Nordrhein-Westfalen im Aufwärtstrend – allerdings wächst sie 2019 langsamer als noch im vergangenen Jahr. Da blieb sie mit 1,4 Prozent knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 1,5 Prozent Wachstum. 

Montag, 18.02.2019, 21:17 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 21:20 Uhr
Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) stellte den Wirtschaftsbericht NRW 2018 vor.
Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) stellte den Wirtschaftsbericht NRW 2018 vor. Foto: dpa

Die Prognose für das begonnene Jahr fällt dagegen mit 1,1 Prozent Wachstum etwas gedämpfter aus, NRW läge damit aber knapp über dem Schnitt. „Der konjunkturelle Gegenwind hat zugenommen“, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Montag in Düsseldorf. Der ungelöste Handelskonflikt mit den USA sowie der Brexit trübten die Stimmung ein. „In diesem schwierigen Umfeld schlägt sich die nordrhein-westfälische Wirtschaft bislang relativ wacker.“

►  Wie viel Schwung nimmt die Wirtschaft für 2019 mit?

„Wir erwarten eine Fortsetzung des Aufschwungs mit nachlassender Dynamik“, beschrieb der Präsident des RWI – Leibnitz Instituts für Wirtschaftsforschung, Professor Christoph Schmidt , die Aussicht. Das „unruhige Fahrwasser“, in dem sich die Unternehmen bewegen, sei geprägt durch außenwirtschaftliche Einflüsse und die Dieselkrise der Automobilbranche.

►  Wie steht NRW da?

Mit dem positiven Trend hat sich das Land auf Rang vier der Bundesländer manövriert. Das sei ein deutlicher Kontrast zu den rot-grünen Regierungsjahren 2010 bis 2017, als NRW stark unterdurchschnittlich gewachsen sei, betonte Pinkwart. Durch das verbesserte Wachstum sei die Arbeitslosigkeit deutlich abgebaut worden. Rund 160 000 neue Arbeitsplätze seien 2018 geschaffen worden, und auch im neuen Jahr rechne er mit einer dreistelligen Zahl, sagte Pinkwart. Die Quote soll von 6,8 auf 6,4 sinken, sie bleibe damit deutlich über dem Bundeswert von 5,2 Prozent.

►  Welche Branchen spüren die Schwankung am stärksten?

Anders als von Wirtschaftsexperten erwartet, habe sich die Automobilindustrie nicht von der Dieselkrise erholt, mahnte RWI-Präsident Schmidt. Für 2019 trage das maßgeblich dazu bei, dass sich der Aufschwung zwar fortsetze, „aber unter dem Potenzial liegt“. NRW sei weniger betroffen, weil die Autobauer in anderen Ländern sitzen. „Dafür sind wir aber das Land der Zulieferer“, wandte Pinkwart ein. Die spürten einen Einbruch der Nachfrage sofort, somit auch die Folgen der von US-Präsident Donald Trump angedrohten Strafzölle. Eine Chance liege im schnelleren Umbruch hin zu alternativen Antrieben.

►  Was prägt die Stimmung der Unternehmer für 2019?

Auch wenn die Wachstumsdynamik nachlässt – die Stimmung bei den Unternehmen beschrieb Thomas Meyer, Präsident der Industrie und Handelskammer NRW, als „überraschend gut“: Jedes zweite Unternehmen in NRW bewertet die aktuelle Lage im neuen IHK-Konjunkturbericht als gut, nur sieben Prozent als schlecht. 30 Prozent wollen mehr investieren, 15 Prozent weniger als 2018. Ein Viertel der Unternehmen erwartet weiter wachsende Exporte, 17 Prozent sehen einen Rückgang. Die IHK setzt auf Brüssel: „Die EU ist der größte Dealmaker, nicht Trump“, verwies Mayer auf 40 Handelsabkommen mit 70 Staaten. Weitere sieben würden abgestimmt, 20 neue vorbereitet.

Ein Kommentar zum Thema

Für handfesten Pessimismus ist die Lage viel zu gut. Es geht noch etwas weiter aufwärts, und das dürfte die Stimmung in den meisten Unternehmer in NRW prägen. Dass trotzdem die Unruhe zunimmt, hat nicht nur mit dem Brexit und wütenden Strafzoll-Drohungen des US-Präsidenten zu tun. Der jetzt absehbare Trend kündigt sanft an, was Wirtschaftslenker und Politiker im konjunkturellen Hoch schon länger geahnt haben: Die Erfolgs- und Glückssträhne könnte jetzt nachlassen. Besorgniserregend ist diese Ahnung nicht, jedoch ist sie für die Landesregierung eine indirekte Mahnung: Eine solide Finanzplanung muss für Zeiten vorsorgen, in denen die Aufgaben weiter wachsen, die Einnahmen aber nicht. (Von Hilmar Riemenschneider)

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