Kriminalität
Landtag beleuchtet Missbrauchs- und Polizeiskandal von Lügde

Der massenhafte Kindesmissbrauch in Lügde übersteigt an sich schon das Vorstellungsvermögen. Das Versagen verschiedener Behörden macht das Leid für die Opfer umso schlimmer. Neben der strafrechtlichen Dimension gibt es auch eine politische.

Montag, 25.02.2019, 15:12 Uhr aktualisiert: 25.02.2019, 15:22 Uhr
Herbert Reul (CDU), Innenminister in Nordrhein-Westfalen, bei einer Pressekonferenz.
Herbert Reul (CDU), Innenminister in Nordrhein-Westfalen, bei einer Pressekonferenz. Foto: Christophe Gateau

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Missbrauchs- und Polizeiskandal von Lügde mit mindestens 31 betroffenen Kindern wird jetzt im nordrhein-westfälischen Landtag aufgearbeitet. An diesem Dienstag kommt der Innenausschuss auf Antrag der Oppositionsfraktionen von SPD und Grünen zu einer Sondersitzung zusammen. Innenminister Herbert Reul (CDU) soll dabei Rede und Antwort stehen.

Reul hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass bei der Kreispolizei in Detmold Beweismittel für den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im lippischen Lügde verschwunden sind. Reul hatte bereits Polizeiversagen eingeräumt. Ein führender Polizeibeamter ist von seiner Aufgabe entbunden worden.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen sollen über Jahre mindestens 31 Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren missbraucht und dabei gefilmt worden sein. Drei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft sind 155 CDs und DVDs verschwunden, die auf dem Campingplatz und in der Wohnung des Hauptverdächtigen gefunden worden waren.

Die Landtagsopposition will vor allem wissen, warum das Verschwinden des Beweismaterials erst Wochen später aufgefallen ist und wann genau Reul darüber informiert wurde. Es reiche nicht, wenn «Reul alle Verantwortung für den Fall nur bei der Polizei vor Ort ablädt», kritisierte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hartmut Ganzke. Ebenso wie die Grünen forderte er umfassende Aufklärung. «Danach wird zu beurteilen sein, welche weiterreichenden Konsequenzen aus diesem schrecklichen Vorfall gezogen werden können.»

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