Prozesse
«Kriegsähnlich»: Fast acht Jahre für 20-fachen Mordversuch

Auf die gewaltige Explosion folgte ein Feuer - dann stürzte ein mehrstöckiges Wohnhaus in Wuppertal ein. Das alles war kein Unfall, sondern 20-facher Mordversuch, befindet nun das Landgericht.

Montag, 11.03.2019, 17:25 Uhr aktualisiert: 11.03.2019, 17:32 Uhr
Schutt und Trümmer liegen auf dem Grundstück eines Hauses.
Schutt und Trümmer liegen auf dem Grundstück eines Hauses. Foto: Bernd Thissen

Wuppertal (dpa/lnw) - Für die verheerende Gasexplosion und den Einsturz eines Wohnhauses in Wuppertal hat das Gericht einen Mieter des Hauses wegen 20-fachen versuchten Mordes schuldig gesprochen. Das Landgericht verhängte am Montag sieben Jahre und zehn Monate Haft gegen den 54-Jährigen. Der Mieter hatte gestanden, in suizidaler Absicht die Gasleitung in seiner Wohnung geöffnet und sich eine Zigarette angezündet zu haben. Durch die Explosion war das Haus eingestürzt. «Es ging ihm um etwas mit Knalleffekt, den letzten großen Auftritt, mit einer gewissen Theatralik - die ist ihm ohnehin eigen», sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Einer der Bewohner war durch die Wucht der Detonation am 24. Juni vergangenen Jahres auf die Straße geschleudert worden. Er schwebte in Lebensgefahr und ist seither ein Pflegefall. Stunden später war das Mehrfamilienhaus eingestürzt. Etwa 30 Menschen, darunter auch kleine Kinder und Jugendliche, hatten in der Nacht ihr Zuhause verloren.

Nach der Explosion hätten «kriegsähnliche Zustände» in der Straße geherrscht, sagte der Richter. Hausbewohner seien barfuß über ein Rohr über die Wupper balanciert, um sich aus dem brennenden Haus zu retten. 200 Einsatzkräfte waren im Großeinsatz. Der Verurteilte habe neben einem jahrzehntelangen Alkoholismus auch mehrere Suizidversuche hinter sich und sei psychisch labil gewesen.

In der Spitze habe er 18 Flaschen Bier und eine Flasche Schnaps pro Tag konsumiert. Kurz vor der Tat hatte er an seinem Geburtstag seine Ex-Frau wiedergesehen: «Das riss bei ihm alte Wunden auf. Es scheint eine Art Abschiedssituation gegeben zu haben. Das traf ihn schwer», sagte der Richter. Dennoch: «Er musste davon ausgehen, dass das Haus zur Nachtzeit voll bewohnt war.»

Der Angeklagte hatte sich bei seinen Nachbarn entschuldigt und ausgesagt, er habe sich mit dem Gas vergiften wollen, sei eingeschlafen und habe die Explosion beim Aufwachen mit dem Feuerzeug unabsichtlich ausgelöst, als er sich die Zigarette anzünden wollte. «Das konnten wir nicht für bare Münze nehmen», sagte der Richter. «Es war großes Glück und Zufall, dass das nicht schlimmer endete.»

Eine Frau habe mit drei Kindern aus dem Haus springen müssen. «All das zu therapieren braucht Zeit.» Die Staatsanwaltschaft hatte zehneinhalb Jahre Haft gefordert. Für den Schaden - mehr als 1,6 Millionen Euro - soll der Arbeitslose nun aufkommen.

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