Schulen
Jede neunte Schule ohne Leiter: Klarer Trend zum Besseren

Schulleiter dringend gesucht - daran hat sich nichts geändert. In Nordrhein-Westfalen zeigen allerdings Verbesserungen bei der Besoldung und beim Zeitbudget für den Chefposten erste Wirkung.

Sonntag, 17.03.2019, 09:13 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 09:22 Uhr
Stühle stehen auf den Tischen in einem Klassenzimmer eines Gymnasiums.
Stühle stehen auf den Tischen in einem Klassenzimmer eines Gymnasiums. Foto: Christian Charisius

Düsseldorf (dpa/lnw) - Jede neunte Schule in Nordrhein-Westfalen hat keinen regulären Leiter. An den 4964 Schulen des Landes fehlen 535 Leiter. Das teilte das Schulministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit. Erstmals seit Jahren zeichnet sich allerdings eine deutliche Verbesserung ab: In den Vorjahren war jede siebte Schule in NRW von Schulleitermangel betroffen.

Auch die Lehrergewerkschaft Bildung und Erziehung (VBE) lobte die Entwicklung. «Jede Schule ohne Leiter ist eine zu viel», sagte Landeschef Stefan Behlau . «Wir sehen aber, dass Verbesserungen - vor allem bei der Besoldung - greifen.»

Bereits Anfang 2017 war die Besoldung der Grund- und Hauptschulrektoren auf A 14 erhöht worden. Ein Jahr später war dann die Bezahlung der Konrektoren ebenfalls auf A 13 mit Zulage angehoben worden. Auch die Leitungszeit - mindestens neun Wochenstunden an allen Schulformen - ist schrittweise erhöht worden.

Dies reiche aber noch nicht aus, sagte Behlau. Gleiches gelte für die Anrechnungsstunden für Sonderaufgaben, die an das Lehrerkollegium delegiert werden können. Vor allem an kleinen Schulen sei es schwierig, mit dem Stundenkontingent etwa Sicherheits- oder Öffentlichkeitsarbeit zu erfüllen.

Die schlechteste Besetzungsquote auf dem Chefsessel hat unter den klassischen allgemeinbildenden Schulformen mit rund 78 Prozent weiterhin die Hauptschule - die beste Quote haben hier mit fast 95 Prozent die gut dotierten Chefposten an Gymnasien. Nur ein paar Zehntel dahinter folgen die Gesamtschulen. Die Gesamtbesetzungsquote liegt über insgesamt elf Schulformen - darunter auch kleine Schulversuche wie Primus- oder Gemeinschaftsschulen - bei rund 89 Prozent (2018: 86 Prozent).

«Die Landesregierung unternimmt große Anstrengungen, um offene Schulleiterstellen zu besetzen», versicherte Ministerin Yvonne Gebauer (FDP). Innerhalb eines Jahres hätten für 170 Schulen neue Leitungen gewonnen werden können. «Das ist ein schöner Erfolg, auf dem wir uns nicht ausruhen.» Auch in Zukunft werde die Regierung daran arbeiten, die Position noch attraktiver zu gestalten. Dies sei dringend nötig, unterstrich Behlau. «Die Berufszufriedenheit und die innere Motivation sind groß, aber die Anerkennung von außen ist noch zu gering.»

Das Thema spielt auch eine zentrale Rolle beim Deutschen Schulleiterkongress, der am kommenden Freitag in Düsseldorf eröffnet wird. Dort wird der VBE seine zweite repräsentative Studie zu Belastungen, Aufgaben und Zufriedenheit der Schulleiter vorstellen. Bei der Befragung vor einem Jahr hatten sie vor allem über zu wenig Fachpersonal bei zu vielen Aufgaben und Bürokratie geklagt und der Schulpolitik in NRW die Note 4 (bundesweit: 3,8) verpasst.

Beim 8. Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf werden nach Angaben der Veranstalter mehr als 2500 Teilnehmer und 120 Referenten erwartet - neben Wissenschaftlern auch viel Prominenz aus dem Showgeschäft. Die Eröffnungsvorträge halten der Hirnforscher Prof. Gerald Hüther zu «Schule im Aufbruch» und Ex-Boxweltmeister Henry Maske zum Thema: «Nur wer aufgibt, hat verloren». Der Kongress wird vom VBE und einem Informationsdienstleister veranstaltet.

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