Kriminalität
Die Gewalt und der Alptraum danach: Hilfe für Opfer

Zuerst auf offener Straße angemacht, dann zusammengeschlagen: Wer nach einer Gewalterfahrung nicht ins normale Leben zurückkehren kann, sollte sich zeitnah Hilfe suchen, meinen Fachleute zum Tag der Kriminalitätsopfer.

Donnerstag, 21.03.2019, 09:38 Uhr aktualisiert: 21.03.2019, 09:52 Uhr
Werbemittel liegen auf einem Tisch der Hilfsorganisation für Verbrechensopfer, des Weißen Rings.
Werbemittel liegen auf einem Tisch der Hilfsorganisation für Verbrechensopfer, des Weißen Rings. Foto: Bodo Schackow

Köln (dpa/lnw) - Opfern von Gewalt machen vor allem psychische Folgen wie Angstzustände, Schlafstörungen, Alpträume und Depressionen zu schaffen. «Es passiert oft, dass sie ihrem Beruf nicht mehr wie vorher nachgehen können», sagte Karin Otten , beim Landschaftsverband Rheinland zuständig für Opferentschädigungen, zum Tag der Kriminalitätsopfer am Freitag (22. März). Die Opferorganisation Weisser Ring macht seit 1991 mit diesem Tag auf die Menschen aufmerksam, die durch Kriminalität geschädigt wurden.

Bei den im Rahmen des Entschädigungsrechts zuständigen kommunalen Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe ist die Zahl der Opfer, die mit Hilfsleistungen unterstützt werden, wieder leicht gestiegen, auf rund 6100 in 2018. Darunter seien Fälle sexuellen Missbrauchs aber auch viele Fälle dieser Art: Betroffene wurden auf offener Straße angemacht und am Ende zusammengeschlagen. «Die psychischen Folgen können einen auch erst später einholen. Zuerst denkt man noch, es ist alles in Ordnung», sagte Otten.

In einem Ratgeber der Landschaftsverbände heißt es: «Manche Menschen beobachten sich in diesen gefährlichen Momenten von der Position eines Außenstehenden aus oder glauben sogar, sie seien gar nicht selbst betroffen.» Die Situation des Übergriffs werde von den Opfern oft als unwirklich «wie in einem Film» beschleunigt oder verlangsamt wahrgenommen.

Der schockartige Zustand, in dem sich manche Opfer wie betäubt fühlten, gehe nach Stunden oder Tagen zurück. In den Wochen danach versuchten sie, die Erfahrung zu verarbeiten und ins normale Leben zurückzukehren. Nicht jeder erhole sich davon. Die Folgen könnten jahrelang anhalten.

«Die merken dann, ich traue mich abends nicht mehr auf die Straße und entwickeln auch andere Ängste», sagte Otten. Diese Menschen sollten nicht erst monatelang warten, in der Hoffnung, dass es besser wird, sondern sich bei den Landschaftsverbänden informieren, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6485762?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F
Sperrung der A1 zwischen Münster und Ascheberg
Nach Lkw-Unfall: Sperrung der A1 zwischen Münster und Ascheberg
Nachrichten-Ticker