Energie
Pinkwart rechnet mit massivem Windkraft-Ausbau in NRW

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart will doppelt so viel Windkraft in den nächsten fünf Jahren. Bei Umweltschützern und politischen Gegnern sorgt das für Verwunderung. Schließlich habe die NRW-Landesregierung den Ausbau bislang eher behindert, sagen sie.

Montag, 25.03.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 16:52 Uhr
Andreas Pinkwart (FDP) beantwortet Fragen.
Andreas Pinkwart (FDP) beantwortet Fragen. Foto: Christophe Gateau

Köln (dpa/lnw) - Die Kapazität der Windkraftanlagen in NRW soll sich nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart ( FDP ) in den nächsten Jahren verdoppeln. Auch die Photovoltaik und andere Formen erneuerbarer Energien wie die Geothermie würden erheblich ausgebaut, sagte der Minister in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit dem WDR . Ziel sei es, den bislang noch geringen Anteil der Erneuerbaren von 13 Prozent an dem in NRW verbrauchten Strom deutlich zu erhöhen.

Die Äußerungen erregten einiges Aufsehen. Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) betonte, die Landesregierung habe bislang eher versucht, den Windkraftausbau einzuschränken. Der vom Landeskabinett im Februar verabschiedete Landesentwicklungsplan sei mit seinen Vorgaben sogar dazu geeignet, den Ausbau der Windenergie «fast komplett zum Erliegen zu bringen». Hier gebe es eine «große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit», betonte ein Sprecher des Verbandes.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Faktion im NRW-Landtag, Marc Herter, erklärte, Pinkwarts Kehrtwende sei «das Eingeständnis des Scheiterns der schwarz-gelben Energiepolitik». Die energiepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, Wibke Brems, verlangte: «Der rhetorischen Kehrtwende in der Energiepolitik muss jetzt auch eine tatsächliche folgen. Um seine eigenen Worte in die Tat umzusetzen, muss Minister Pinkwart den Landesentwicklungsplan stoppen und den Windenergieerlass ändern.»

Pinkwart verwies dagegen im Gespräch mit dem WDR darauf, dass es viele Projekte gebe, die schon genehmigt seien und sich in Umsetzung befänden. Außerdem gebe es auch künftig Flächen für Windkraftanlagen, «die sich mit den Interessen von Mensch und Umwelt vereinbaren lassen». Zudem werde das Repowering - also der Ersatz in die Jahre gekommener Windräder durch neue, deutlich stärkere Anlagen - in Zukunft eine große Rolle spielen. All das ergebe ein theoretisches Potenzial zur Verdopplung der Kapazität in den kommenden Jahren, sagte Pinkwart der dpa. Dabei müssten Projekte stets im Einklang mit den Bürgerinteressen umgesetzt werden.

Nordrhein-Westfalen hinkt beim Thema Erneuerbaren Energien weit hinter dem übrigen Deutschland hinterher. Während Erneuerbare Energien bundesweit nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen 2018 rund 38 Prozent des Strombedarfs deckten, waren es in NRW zuletzt gerade einmal 13 Prozent. Nach Angaben des Landesverbandes Erneuerbare Energien wurden im vergangenen Jahr im bevölkerungsreichsten Bundesland nur noch 110 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 342 Megawatt in Betrieb genommen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies einen Rückgang um rund 60 Prozent.

Insgesamt waren demnach in NRW Ende 2018 rund 3700 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 5800 Megawatt installiert. Um diese Kapazität in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln, müssten bis 2023 nach Berechnungen des WDR jährlich 1200 Megawatt Windkraftleistung neu ans Netz gehen. Das entspräche mindestens 400 neuen oder gegen leistungsfähigere Konstruktionen ausgetauschten Windrädern pro Jahr.

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