Debatte über Impflicht entbrannt
Angst vor Masern-Ausbruch

Berlin/Bochum -

Die Zahl der Masernfälle steigt. Wie hoch die Gefahr im Münsterland ist, zeigen erste Zahlen für dieses Jahr.

Montag, 25.03.2019, 16:50 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 16:57 Uhr
Debatte über Impflicht entbrannt: Angst vor Masern-Ausbruch
Foto: dpa (Symbolbild)

Bundesweit ist die Zahl der Maserninfektionen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Erreger stammen zumeist aus dem Ausland und breiten sich dort aus, wo es keine hohe Impfquote gibt. Zuletzt hatte im Landkreis Hildesheim ein regionaler Infektionsherd dazu geführt, dass eine Schule ungeimpfte Kinder nicht mehr zum Unterricht gelassen hatte.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Maserninfektionen zuletzt wieder gestiegen. Allein in den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres registrierte das Landeszentrum Gesundheit NRW 74 Fälle – im gesamten Jahr 2018 waren es 211. Schon 2017 hatte es durch einen lokalen Ausbruch einen deutliche Zunahme auf 520 Masernfälle gegeben.

Die Masern sind eine hochansteckende Krankheit. „Erst ab einer Impfquote von 95 Prozent wird von einer ausreichenden Widerstandsfähigkeit einer Population gegen das Virus ausgegangen“, sagt Annette Jurke, Fachgruppenleiterin Infektionsepidemiologie beim Landeszentrum Gesundheit. Doch die Quote liegt selbst bei „Risikogruppen“ wie Kindern oder dem medizinischen Personal in NRW deutlich niedriger. 

Ein Kommentar zum Thema

Was für eine fahrlässige Lässigkeit: Die Zahl derjenigen, die sich in Deutschland freiwillig gegen Masern impfen lassen, sinkt. Auf der anderen Seite steigt in einer globalisierten Welt das Risiko, sich mit dem tückischen Erreger anzustecken, weiter an. Die Bitten von Ärzten, Gesundheitspolitikern und Menschen, die besonders gefährdet sind, sich anzustecken, verhallen in einer Mischung aus Ignoranz und Sorglosigkeit fast ungehört.

Es ist ein Armutszeugnis, dass Schulen in Niedersachsen und Kindertagesstätten in NRW sich nicht mehr anders zu helfen wissen und Kindern ohne Impfnachweis die Teilnahme am Unterricht verweigern müssen. Noch einmal: Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern sie zeitigen schwere gesundheitliche Schäden und beinhalten ein hohes Ansteckungsrisiko.

Eine möglichst hohe Impfquote wäre nicht nur eine persönliche Vorsorgemaßnahme, sondern ist auch ein Zeichen der Solidarität – auch mit denen, die aus gesundheitlichen Grünen nicht geimpft werden können. Wenn dies nicht überzeugt, dann muss mittelfristig eine gesetzliche Pflicht eingeführt werden. Eine weitere Sorg- und Tatenlosigkeit jedenfalls ist zu gefährlich. | - Von Frank Polke

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