Zukunft der Grundschulen
Schulministerin sucht Paketlösung für gleiche Lehrerbesoldung

Münster/Düsseldorf -

Wie sieht die Zukunft der Grundschulen aus? Wenn NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer über diese Frage spricht, kommt sie um das Thema Lehrermangel nicht herum. Ein Knackpunkt dabei ist die Bezahlung. „Ein größeres Paket“, seufzt die Ministerin.

Dienstag, 26.03.2019, 07:53 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 07:57 Uhr
Schulministerin Yvonne Gebauer beim Besuch der Zentralredaktion unserer Zeitung in Münster.
Schulministerin Yvonne Gebauer beim Besuch der Zentralredaktion unserer Zeitung in Münster. Foto: Gunnar A. Pierr

Es ist ein Detail – aber kein unwichtiges: Für den Wechsel von Viertklässlern auf die weiterführende Schule wird es keine verbindliche Empfehlung durch die Grundschule geben. In ihrem Masterplan für die künftige Entwicklung der Grundschulen in NRW, den Schulministerin Yvonne Gebauer ( FDP ) in einigen Wochen vorstellen will, spielen solche Überlegungen keine Rolle mehr. Dafür will sie die elementaren Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen viel stärker in den Vordergrund rücken. Beispiel Rechtschreibkompetenz: „Auch unter diesem Aspekt werden wir uns den Englischunterricht in den Grundschulen ansehen“, sagt Gebauer bei einem Redaktionsgespräch am Montag in Münster. Derzeit beginnt der im zweiten Halbjahr der ersten Klasse. „Wir müssen uns überlegen, ob wir nicht in der Schuleingangsphase die Kernkompetenzen stärken und mit Englisch später starten.“ Im Gespräch ist eine Verschiebung der ersten Fremdsprache auf die dritte Klasse – dann aber mit höherer Stundenzahl.

Knackpunkt Bezahlung

Wenn Gebauer über die Zukunft der Grundschulen spricht, geht es nicht ohne den Blick auf den Lehrermangel. Und damit auf die monatlich einige hundert Euro geringere Bezahlung, die Grundschullehrer gegenüber ihren Kollegen an anderen Schulformen benachteiligt. „Das ist ein größeres Paket“, seufzt sie. Denn es geht nicht nur um Lehrer, die einen Master-Abschluss brauchen. „Sie können nicht eine Maßnahme anschieben, ohne eine Lösung für alle anderen Aspekte bedacht zu haben. Ich muss in dem Moment, wenn ich eine Regelung für die Master-Absolventen nach neuer Studienordnung festlege, auch eine Perspektive für alle anderen anbieten“, betont Gebauer.

Alle anderen – das sind alle ebenfalls schlechter bezahlten Grundschullehrer. Es sind aber ebenso die angestellten Lehrkräfte, die weniger verdienen als die beamteten Kollegen. Und die Perspektive kann nur gleiche Bezahlung sein. Zumindest will Gebauer sich nicht durch die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft unterstützten Musterklagen zwingen lassen.

Abwerbeversuche anderer Bundesländer

Und auch die mitunter erfolgreichen Abwerbeversuche anderer Bundesländer will sie eindämmen. „Wir müssen einen Konkurrenzkampf um die Lehrkräfte zwischen den 16 Bundesländern verhindern.“ Wenn NRW in Kürze 339 neue Studienplätze für Grundschullehrer einrichtet, sollen die nicht anderen Ländern, sondern dem unterversorgten Ruhrgebiet zugute kommen. Gebauer hofft auf einen Klebeeffekt durch praktische Erfahrung im Umfeld. Denkbar sind Anreiz-Modelle wie bei den Landärzten. „Wir planen noch ein drittes Maßnahmenpaket. Und da gibt es keine Denkverbote.“

Interview: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer zu den "Friday for Future"-Demos

Aufschub für Förderschulen

Das sind nicht Gebauers einzige Baustellen. An einer anderen will sie sich jetzt etwas Luft verschaffen. Nach dem von Rot-Grün vorgelegten Tempo bei der Inklusion war das 2017 verhängte Moratorium für auslaufende Förderschulen zu kurz. Im Sommer soll es durch einen befristeten Mindestgrößenerlass ersetzt werden. „Es wird Förderschulen, die wegen zu geringer Schülerzahlen von der Schließung bedroht sind, Zeit gegeben, sich zu erholen“, erklärt Gebauer. „Diese Schulen werden bis zum Schuljahr 2023/24 Gelegenheit haben sich wieder zu etablieren.“ Nicht ausgeschlossen, dass dann trotzdem Förderschulen schließen.

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