Brand von Notre-Dame
Laschet bemängelt Berichterstattung von ARD und ZDF

Düsseldorf -

Große Teile der Pariser Kathedrale Notre-Dame fallen einem Feuer zum Opfer und die ARD sendet um 20.15 Uhr eine Tierdoku. Das passt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet gar nicht. Bei Twitter kritisiert er die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit deutlichen Worten. 

Dienstag, 16.04.2019, 12:25 Uhr aktualisiert: 16.04.2019, 16:51 Uhr
Ein Passant fotografiert den Brand der Kathedrale Notre-Dame, einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt.
Ein Passant fotografiert den Brand der Kathedrale Notre-Dame, einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt. Foto: Julien Mattia / dpa

Eines der berühmtesten Wahrzeichen der Welt steht lichterloh in Flammen. Die Bestürzung ist groß, Staatsoberhäupter melden sich zu Wort. Fernsehsender berichten am frühen Abend per Live-Übertragung von der Katastrophe. ARD und ZDF allerdings nicht. Hier laufen um 20:15 Uhr ein Tierfilm und ein Krimi, während in Paris ein über achthundertfünfzig Jahre altes Stück Weltkulturerbe zerstört wird. 

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bemängelte dieses Vorgehen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender via Twitter . „Russia Today und Al Jazeera berichten, rechte Hetzer verbreiten erste Verschwörungstheorien und der öffentlich-rechtlich Rundfunk schläft.”

Wo ist der „Brennpunkt”?

Auch Sonia Seymour Mikich, frühere Fernseh-Chefredakteurin beim WDR, wunderte sich über das Vorgehen. Ebenfalls via Twitter fragte sie, warum nicht der digitale Fernsehsender Tagesschau24 über das Unglück berichte, denn „BBC, CNN, Russia today und Al Jazeera schaffen es doch auch”. 

Mit Ullrich Deppendorf, dem ehemaligen Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, stimmt ein weiterer prominenter Journalist in den Chor der Kritiker ein. Dass es keinen ARD-Brennpunkt gegeben habe, sei für ihn „schwer nachzuvollziehen”, schrieb er bei Twitter. Schließlich sei Notre-Dame neben dem Eiffelturm ein Symbol Frankreichs.

Was ist ein "Brennpunkt"?

Der ARD-Brennpunkt ist eine Programmergänzung des Fernsehsenders. Sie wird bei wichtigen Ereignissen ausgestrahlt und ergänzt die Berichterstattung der aktuellen Nachrichtensendungen.

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Statement der ARD

Die ARD rechtfertigte sich noch am Abend unter diesem Tweet. Sobald weitere gesicherte Informationen vorlägen, würde über das Ereignis berichtet. Außerdem wiesen sie auf die Tagesthemen hin, worin es eine vertiefende Berichterstattungen geben sollte. Alle derzeit bekannten Informationen seien in der Tagesschau an die Zuschauer weitergegeben worden.

Um 21.40 Uhr startete die ARD dann eine Live-Berichterstattung via Tagesschau24. Rund drei Stunden lang wurden die Geschehnisse in Paris beleuchtet. Auch die Tagesthemen um 22:15 Uhr widmeten sich, wie angekündigt, dem Thema. 

ARD-Chefredakteur Rainald Becker antwortete daraufhin, dass Das Erste ist kein 24h Nachrichtenkanal sei und eine Berichterstattung in Kürze folge. 

Pressemitteilungen der ÖR

ARD und ZDF erklärten ihre Entscheidung. Die "heute"-Redaktion habe schnell auf die Eilmeldungen dazu reagiert, erläuterte ein ZDF-Sprecher. In der Sendung um 19.00 Uhr habe die Moderatorin die Zuschauer bereits gegen 19.15 Uhr darüber informiert, dass in der Kirche ein Feuer ausgebrochen sei. "Um 21.45 Uhr ging das 'heute journal' mit einer umfassenden Berichterstattung zu den Ereignissen rund um die Kathedrale auf Sendung."

ARD-Chefredakteur Rainald Becker sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir sind natürlich von den Gegebenheiten vor Ort abhängig. Uns war es wichtig, dass unser Korrespondent vor Ort ist und von dort auch live berichtet, dem haben wir den Vorrang gegeben." Zumal der Korrespondent auch einen Beitrag für die "Tagesschau" gefertigt habe und erst danach an den Ort des Geschehens habe aufbrechen können. "Wir haben alle möglichen Varianten durchdiskutiert, auch die Variante eines 'Brennpunkts' um 21 Uhr. Das war aber aus den genannten Gründen nicht möglich."

Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, ergänzte: "Wenn wir der Recherche und der Akkuratesse den Vorzug geben vor Schnelligkeit, dann ist es für die Kritiker auch wieder nicht in Ordnung. Am gestrigen Abend hat den Ausschlag gegeben, dass wir unserem Korrespondenten die Zeit geben wollten, zu recherchieren, statt ihn in einer Dauer-Liveschalte die immer gleichen Dinge wiederholen zu lassen."

"Doch ein bisschen überzogen"

Die 20-Uhr-"Tagesschau" habe zehn Millionen Menschen mit einem Korrespondentenbeitrag erreicht, noch nicht einmal eine Stunde nach der ersten Eilmeldung, sagte Gniffke. Er wies darauf hin, dass nicht nur das klassische Fernsehen zu berücksichtigen sei.

"Wir haben über all unsere Kanäle in den sozialen Medien mehr als neun Millionen Menschen erreicht mit Informationen aus Paris. Wir hatten gestern Abend auf 'tagesschau.de' drei Millionen Visits dazu", so Gniffke. "Natürlich hätten wir um 21 Uhr mit einem kurzen 'Tagesthemen extra" noch besser ausgesehen, aber die Kritik, die ich lese, finde ich - vorsichtig gesagt - doch ein bisschen überzogen."

Reaktionen der Twitter-User

Die Netzgemeinde ist geteilter Meinung bezüglich des Vorgehens der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Viele Tweets drehen sich um den nicht gesendeten „Brennpunkt”. So heißt es beispielsweise, bezogen auf die Häufigkeit der Brennpunkt-Sendungen, dass „fehlende neue Erkenntnisse die ARD schon ganz oft nicht an einer Sondersendung gehindert haben”. Für viele ist es daher nicht nachvollziehbar, warum die ARD auf ihre Sonderberichterstattung in den ersten dreieinhalb Stunden des Geschehens verzichtete. Von einem anderen Twitter-User heißt es: „Extrem schwach, liebe Redaktion von @DasErste! Das wird noch lange an Ihnen kleben.”

Allerdings gibt es auch Gegenstimmen, die die Entscheidung der ARD, keinen Brennpunkt zu senden, befürworten. „Besser keinen Brennpunkt als stundenlange Ruminterpretation, was eventuell passiert sein könnte [...].” Dies werde am traurigen Resultat nichts ändern, schreibt der Verfasser weiter. Ein Weiterer kommentiert: „Minütlich wird immer dasselbe wiederholt. Null Neuigkeitswert. Gut, dass @DasErste nicht mitmacht.”

Feuer in Kathedrale Notre-Dame

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  • Feuerschein erhellt die Pariser Nacht: Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame ist am Montagabend in Brand geraten.

    Foto: Matthias Wagner
  • Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt.

    Foto: Francois Mori
  • Die Feuerwehr äußerte sich am späten Montagabend aber zuversichtlich, dass die Kathedrale nicht völlig zerstört wird.

    Foto: Julien Mattia
  • Über dem monumentalen Sakralbau war am Montag eine riesige Rauchsäule zu sehen.

    Foto: Diana Ayanna
  • Der Altar der Kathedrale Notre-Dame war von Rauch umgeben. Die wertvollsten Kirchenschätze – darunter die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll – wurden in Sicherheit gebracht.

    Foto: Philippe Wojazer
  • „Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, sagte Paris‘ Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet.

    Foto: Julien Mattia
  • Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité, die wegen des Feuers von Sicherheitskräften abgeriegelt wurde.

    Foto: Thibault Camus
  • Der Brand löste tiefe Bestürzung und heftige Emotionen aus.

    Foto: Christophe Ena
  • Unzählige Menschen kamen am Abend zusammen, um zu beten oder gemeinsam zu singen.

    Foto: Francois Mori
  • Frankreis Präsident Emmanuel Macron (M.) sagte wegen des Brandes eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab und begab sich zu der Kathedrale. Er versicherte: „Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen.“

    Foto: Philippe Wojazer
  • Auch aus dem Ausland erhielten die Franzosen viel Zuspruch. So twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen. Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“

    Foto: Michael Euler/AP/dpa
  • Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen.

    Foto: Michael Euler/AP/dpa
  • Aus der Ferne betrachten Einheimische und Touristen mit Entsetzen den Brand der Kathedrale.

    Foto: Thibault Camus
  • Die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, sprach von einem „fürchterlichen Brand“.

    Foto: Thibault Camus/AP/dpa
  • Kathedrale Notre-Dame in Paris brennt Foto: Michael Euler
  • Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr.

    Foto: Francois Mori
  • Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht.

    Foto: Julien Mattia/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa
  • Über dem Wahrzeichen waren am Montagabend Flammen und eine riesige Rauchsäule zu sehen.

    Foto: Michel Euler/AP/dpa
  • Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen.

    Foto: Thibault Camus/AP/dpa
  • Flammen schlugen lichterloh aus dem Dachstuhl.

    Foto: Thibault Camus
  • Das Feuer sei auf dem Dachboden der Kathedrale ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden.

    Foto: Matthias Wagner/dpa
  • Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. Um Geld für die Sanierung aufzutreiben, war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

    Foto: Uncredited/AP/dpa
  • Nun brachte die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine eine Spendensammlung für den Wiederaufbau auf den Weg. „Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf“, schrieb die Stiftung.

    Foto: Lori Hinant/AP/dpa
  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich betroffen und sagte eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab. «Notre-Dame von Paris den Flammen ausgeliefert. Emotion einer ganzen Nation», teilte der Präsident auf Twitter mit. Er sei in Gedanken bei allen Katholiken und allen Franzosen. Wie alle französischen Mitbürger sei er an diesem Abend traurig, «diesen Teil von uns brennen zu sehen».

    Foto: Matthias Wagner/dpa
  • «Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa», schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. «Wir sind heute alle bei Paris.»

    Foto: Juan Cristobal Cruz Revueltas
  • Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité. Ihre Geschichte reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung.

    Foto: Christian Böhmer/dpa (Archiv-Foto)
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