Umwelt
April bisher zu trocken: Schauer senken Waldbrandgefahr

Der April war in NRW bislang viel zu trocken. Erwartete Regenschauer sollen die Waldbrandgefahr nun erstmal vermindern. Böden und Bäume bräuchten aber mehr als nur Schauer.

Dienstag, 23.04.2019, 16:01 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 16:12 Uhr
Eine Frau geht bei einem starken Regenschauer in Düsseldorf über eine Straße.
Eine Frau geht bei einem starken Regenschauer in Düsseldorf über eine Straße. Foto: Rolf Vennenbernd

Essen/Münster (dpa/lnw) - Viel zu trockene Böden, erhöhte Waldbrandgefahr, von Trockenheit gestresste und gegen den Borkenkäfer wehrlose Fichten: Nachdem es im April viel zu wenig geregnet hat, werden die Folgen der aktuellen Trockenheit und des Dürresommers 2018 landesweit sichtbar. Durch einige Regenschauer soll in den nächsten Tagen zumindest die Waldbrandgefahr sinken. Die lag nach dem Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Dienstag in NRW bei Stufe drei von insgesamt fünf Stufen. Der DWD ging davon aus, dass die Gefahr im nördlichen Münsterland am Mittwoch auf Stufe vier steigt, bis sie dann landesweit sinkt.

Erste Niederschläge werden am Mittwoch für den Nachmittag oder Abend erwartet. «In den Folgetagen werden wohl immer wieder Niederschlagsfelder durchgehen, die dann entsprechend großflächig die Lage entspannen werden», sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes am Dienstag. Nach DWD-Angaben fiel in den ersten drei Monaten des Jahres in NRW überdurchschnittlich viel Regen. Der April war mit bisher 21 Prozent der normalen Niederschlagsmenge dagegen viel zu trocken.

«Jetzt kommen die Befürchtungen wieder hoch», sagte die Sprecherin des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, Marilena Kipp, mit Blick auf den Dürresommer 2018. Die Zuckerrüben seien gesät, das Sommergetreide stehe in den Startlöchern, die Frühkartoffeln seien auf den Feldern. «Wir brauchen ausreichend Niederschlag», erklärte sie. Der Boden sei sehr trocken. Nur ein bisschen Regen helfe nicht.

Um das Wasserdefizit aus dem Dürresommer 2018 auszugleichen, müsste es jetzt sehr viel mehr regnen als nur schauern, betonte ein Experte vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, Andreas Marx. Tiefere Bodenschichten seien landesweit so trocken, dass sie bis zu 300 Liter Wasser pro Quadratmeter aufnehmen könnten. Wenn die Niederschläge tiefere Schichten aber nicht erreichten, fehle es ab Grundwasser. Das könne etwa für die Binnenschiffer problematisch werden, denn die Grundwasserspiegel seien schon im vergangenen Sommer stark gefallen. Eigentlich würden Flüsse bei Niedrigwasser über die Böden vom Grundwasser gespeist.

Die obere Bodenschicht von 40 Zentimeter sei im Winter «ganz gut» nass geworden. Aber ohne Wasserreserve in den tieferen Schichten und bei Temperaturen wärmer als 20 Grad sei auch diese obere Schicht bis aufs nördliche Münsterland landesweit schon trocken.

Unterdessen hat nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz NRW landesweit der Borkenkäferflug eingesetzt. Die Schädlinge haben ihr Überwinterungsquartier verlassen, um sich in neue Fichten zu bohren und ihre Eier abzulegen. Forstleute befürchten in diesem Jahr eine extreme Borkenkäferplage. Aus der Eifel gebe es alarmierende Nachrichten, sagte Sprecher Michael Blaschke: Dort seien die Käfer nicht nur losgeflogen, sondern hätten sich schon in einem ganz frühen Stadium und in ganz großem Stil in neue Bäume gebohrt.

Die von Trockenstress geplagten Fichten hätten sich nicht wehren können, sagte Blaschke: «Das ist ein ganz schlechtes Zeichen.» Solche «Nester» würden im Kampf gegen den Käfer landesweit schnellstmöglich aus den Wäldern geholt.

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