«Handys am Steuer kosten Menschenleben»
Landesweiter Kontrolltag gegen Ablenkung am Steuer

Handy am Steuer - das wird teuer. Landesweit halten an diesem Mittwoch Polizisten Ausschau nach Autofahrern, die ihr Mobiltelefon nutzen. Die Ablenkung durch Smartphones soll für den Anstieg der schweren Verkehrsunfälle verantwortlich sein.

Mittwoch, 08.05.2019, 01:13 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 20:10 Uhr
Ein Polizist hält während einer Kontrolle eine Polizeikelle und ein Sprechfunkgerät in Händen.
Ein Polizist hält während einer Kontrolle eine Polizeikelle und ein Sprechfunkgerät in Händen. Foto: Roland Weihrauch (Symbolbild)

Mit einer landesweiten Kontrollaktion will die Polizei die Handy-Nutzung am Steuer eindämmen. Am Mittwoch sollen sich Polizisten vielerorts auf die Lauer legen und Ausschau halten nach Autofahrern, die am Steuer mit dem Handy telefonieren oder sogar Textnachrichten tippen oder lesen.

Die Zahl der Verkehrsunfälle durch Ablenkung steigt seit Jahren stark an. Die Smartphone-Nutzung am Steuer steht im Verdacht, für die negative Trendwende bei den schweren Verkehrsunfällen verantwortlich zu sein. Studien aus Österreich legen sogar nahe, dass Ablenkung bei jedem dritten tödlichen Unfall eine Rolle spielt.

NRW-Innenminister Herbert Reul ( CDU ) hat eine der Kontrollaktionen in Neuss begleitet und die neue Kampagne «Lenk dich nicht app. Kein Handy am Steuer» vorgestellt.

Wer beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung gestoppt wird, muss 100 Euro zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Radfahrer mit Handy am Ohr sind mit 55 Euro dabei. Nach schweren Unfällen stellen Polizisten auch mobile Geräte sicher, wenn der Verdacht besteht, dass der Fahrer dadurch abgelenkt wurde.

Handys am Steuer kosten Menschenleben und zerstören Existenzen. Telefonieren ist genauso gefährlich wie das Fahren mit mehr als 0,8 Promille Alkohol im Blut. Das muss in die Köpfe der Menschen.

Innenminister Herbert Reul

„Da sind vermeintlich verantwortungsvolle Menschen unterwegs, die niemals auf die Idee kämen, sich betrunken ans Steuer zu setzen. Aber ihr Handy benutzen diese Leute ohne Bedenken. Das zeigt uns: Die Gefährlichkeit dieser Unsitte ist den meisten Menschen nicht bewusst“, so Reul am Mittwoch.

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Neuss: Herbert Reul (CDU, r) unterhält sich mit den Polizisten Frank Below (l) und Timm Kehrbaum (M). Foto: Federico Gambarini/dpa

Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr rund 167.000 Verstöße in diesem Bereich. Knapp 25.000 davon bei Radfahrern. Denn auch
sie dürfen Handys im Straßenverkehr nicht nutzen. „Am besten man schaltet vor der Fahrt das Handy aus. Absolut keine Nachricht, kein Anruf ist so wichtig, dass es lohnt, ein solches Risiko einzugehen“, sagte der Minister.

Am landesweiten Aktionstag nutzen Polizeistationen aus der Region in den sozial Netzwerken unter anderem den Hashtag #LenkDichNichtApp und twittern zur Kampagne, aber auch zu aktuellen Unfällen:

Zwischen-Bilanz aus Münster

In der Zeit von 8 bis 13 Uhr hat die Polizei in Münster am Mittwoch 45 Verkehrsteilnehmer in der Stadt und auf den Autobahnen gestoppt, die während der Fahrt durch ihr Handy abgelenkt waren. Die Beamten kontrollierten sowohl Rad- als auch Kraftfahrer. "Immer wieder kommt es durch Ablenkung, insbesondere durch das Handy, zu schweren Verkehrsunfällen", berichtet die Polizei in einer Pressemitteilung. Im Bereich der Kreuzungen Friedrich-Ebert-Straße Ecke Hammer Straße und Steinfurter Straße Ecke Neutor hielten die Beamten 35 Kraftfahrer und zehn Radfahrer mit Smartphones in der Hand an.

Während die Radfahrer je 55 Euro Verwarngeld zahlen mussten, erwarten die Kraftfahrer ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro und ein Punkt in Flensburg. Auf dem Rastplatz Münsterland-Ost und im Bereich des Domplatzes informierten Polizisten zu den Gefahren von Ablenkung im Straßenverkehr. Die Kontrollaktion musste in der Innenstadt aufgrund des aktuellen Bombenfundes am Hauptbahnhof abgebrochen werden. Die Kontrollen auf den Autobahnen werden bis 18 Uhr fortgesetzt.

"Ablenkung im Straßenverkehr ist und bleibt ein Themenschwerpunkt der Verkehrsunfallbekämpfung", so die Polizei. Um das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer zu schärfen, führt die Polizei wie auch in der Vergangenheit weitere Kontrollaktionen durch und klärt über die Gefahren auf. Keine WhatsApp, keine Sprachnachricht und kein Anruf seien so wichtig, dass man dafür das eigene Leben aufs Spiel setzt und andere gefährdet.

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