Schulen
Talentschulen vor dem Start: Lehrergewerkschaft skeptisch

In ausgewählten Schulen an Brennpunkten will die Landesregierung Konzepte für mehr Chancengleichheit erproben. Die Talentschulen stehen in den Startlöchern. Es gibt auch Kritik.

Mittwoch, 08.05.2019, 17:32 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 17:42 Uhr
Yvonne Gebauer, nordrhein-westfälische Schulministerin (FDP).
Yvonne Gebauer, nordrhein-westfälische Schulministerin (FDP). Foto: Marcel Kusch

Bochum (dpa/lnw) - Mehr Lehrpersonal, bessere Ausstattung und besondere Förderkonzepte: Knapp vier Monate vor dem Start der 35 Talentschulen hat Schulministerin Yvonne Gebauer ( FDP ) am Mittwoch erstmals Vertreter aller ausgewählten Schulen getroffen. Bei der Auftaktveranstaltung in Bochum sagte Gebauer, die Erfahrungen an den Talentschulen sollten später auch für andere Schulen beispielgebend sein. Sie könnten dazu beitragen, dass NRW dem Ziel näherkomme, die Benachteiligung von Schülern im Bildungsbereich zu überwinden und allen faire Aufstiegschancen zu eröffnen.

Mit den Talentschulen setzt das Ministerium eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um. Los geht es mit den Talentschulen konkret zum neuen Schuljahr. Rund zwei Drittel der teilnehmenden Schulen wurden im Ruhrgebiet ausgewählt. Modellhaft soll erprobt werden, wie Kinder aus sozial benachteiligten Familien mehr Bildungschancen erhalten können.

Zunächst sollen 35, im folgenden Schuljahr weitere 25 Schulen von mehr Lehrpersonal und einem Budget von jährlich 150 000 Euro für Fortbildungen profitieren. 400 Stellen sollen dazu an den ausgewählten weiterführenden Schulen und Berufskollegs geschaffen werden. Auch die Schulträger hätten sich bei ihren Bewerbungen verpflichtet, den Einrichtungen unter die Arme zu greifen. Je nach Konzept reiche das von einem Ausbau des digitalen Angebots bis hin zu baulichen Veränderungen, sagte ein Sprecher des Schulministeriums.

Die Lehrergewerkschaft VBE äußerte sich skeptisch. «Wir brauchen keinen Schulversuch. Wir wissen, wo der Schuh drückt», sagte der Landesvorsitzende Stefan Behlau. Vielerorts fehlten ausreichendes Personal für eine individuelle Förderung sowie eine «angemessene und zeitgemäße Ausstattung». Die Förderung einzelner Schulen schaffe keine Chancengleichheit.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte die Pläne wiederholt als falsche Weichenstellung kritisiert: 60 Schulen besonders gut auszustatten, führe bei Tausenden von Schülern, die andere Einrichtungen besuchten, nicht zu besseren Lernbedingungen.

Die Schulministerin dagegen will die Investitionen als Pilotprojekt verstanden wissen: Der sechsjährige Schulversuch soll wissenschaftlich begleitet und bewertet werden, um später die Ergebnisse wenn möglich in die Fläche zu bringen.

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