Industrie
Landesregierung will Batterieforschung nach NRW holen

Deutschland muss sich beeilen, wenn es in den zukunftsträchtigen Markt für Batteriezellen für E-Autos einsteigen will. Derzeit wird Europa von Asien abgehängt. Auch NRW wittert Chancen.

Mittwoch, 08.05.2019, 16:17 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 16:32 Uhr
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht zu Journalisten.
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht zu Journalisten. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Angesichts des zu erwartenden Booms bei Elektroautos will Nordrhein-Westfalen um einen Spitzenplatz bei Forschung und Produktion von Batteriezellen kämpfen. Das Land bewerbe sich für den Aufbau einer vom Bund mit 400 Millionen Euro geförderten Forschungsfabrik, teilte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf mit. Standort soll Münster sein, wo das bereits bestehende und international renommierte Batterieforschungsinstitut MEET die Federführung übernehmen könnte.

Der Bund werde nur eine Batterie-Forschungsfabrik in Deutschland fördern, sagte Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos). Jedes Bundesland dürfe sich mit einem Vorschlag bewerben. Die Bundesregierung wolle vor der Sommerpause über den Standort entscheiden. NRW will auch damit punkten, dass es weitere Forschungszentren etwa in Jülich und an der Universität Duisburg-Essen gibt, die mit Münster vernetzt werden könnten. Auch VW hatte kürzlich bekannt gegeben, die Forschung zu Batteriezellen gemeinsam mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt voranbringen zu wollen.

Außerdem hofft NRW auf den Zuschlag für eine künftige Batterieproduktion. Elektromobilität könne neue Arbeitsplätze in NRW schaffen, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Ein Konsortium für eine Batterie-Produktion haben bereits die Opel-Mutter PSA und der französische Batteriehersteller Saft gebildet. Standort könnte Kaiserslautern werden. Auch aus NRW bewerben sich nach Worten Laschets Konsortien um Batteriezellenfertigung. «Am liebsten hätten wir die Forschung bei uns und am Ende auch die Produktion.»

Die Landesregierung erwartet, dass angesichts der erwarteten Steigerung der Produktion von E-Autos zwei oder drei weitere Fertigungsstandorte in Deutschland entstehen könnten. Vor dem Hintergrund des beschlossenen Kohleausstiegs kämen dafür die Braunkohlereviere in Ost- und Westdeutschland infrage, sagte Laschet. Bisher werden nach offiziellen Angaben rund 84 Prozent der Batterien weltweit in Asien produziert und nur drei Prozent in Europa.

Auch die Infrastruktur für Elektromobilität muss ausgebaut werden. Dazu müssen laut Pinkwart umfassende Lademöglichkeiten zuhause und bei Arbeitgebern und ein flächendeckendes Netz an öffentlich zugänglichen Ladesäulen vorangetrieben werden. Seit Oktober 2017 seien in NRW insgesamt 4500 öffentlich und nicht öffentlich zugängliche Ladepunkte bewilligt worden.

Dienstlich fährt Laschet übrigens noch einen klimaschädlichen Benziner, privat setzt er jetzt auch auf Elektromobilität. Er werde sich einen Elektro-Kleinwagen e.GO Life kaufen, sagte der Regierungschef. Aufladen könne er das Auto mit Hilfe einer speziellen Ladebox an der Steckdose in seiner Garage. Was Laschet besonders auffiel: «Es gibt keinen Reservekanister, sondern ein Reservekabel.»

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