Missbrauchsfälle
Raus aus der Fehlerkette

Düsseldorf -

Der Fall Lügde hat Konsequenzen: Die Jugend­ämter in NRW sollen neue Vorgaben für den Schutz von Kindern gegen Missbrauch und für den Umgang mit Pflegeeltern bekommen.

Donnerstag, 09.05.2019, 21:50 Uhr
Familienminister Joachim Stamp
Familienminister Joachim Stamp Foto: dpa

NRW-Familienminister Joachim Stamp ( FDP ) hat am Donnerstag ein umfassendes Konzept noch vor der Sommerpause angekündigt, mit dem er grundlegende Kon­sequenzen aus den Behördenfehlern im Kontext des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde ziehen will.

Schon jetzt sei „mehr als klar, dass im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall einige schwer nachvollziehbare Entscheidungen getroffen worden sind“, sagte Stamp im Kinder- und Familienausschuss des Landtags.

In das Konzept würden auch die Ergebnisse einer ganztägigen Expertenanhörung einfließen, die der Ausschuss für den 24. Juni angesetzt hat, sagte Stamp zu. Einfließen werden auch die Untersuchungen im Kreis Lippe: Derzeit durchleuchte das Landesjugendamt auf Bitten des Kreises die Abläufe und Strukturen des dortigen Jugendamtes, um mögliche Mängel zu erkennen. Von den bislang bekannten 41 Missbrauchsopfern leben laut Ministerium zwölf im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes.

Abstimmungsfehler, wie es sie zwischen den Jugendämtern Hameln-Bad Pyrmont und Lippe gegeben hat, will Stamp mit einer Neuregelung vermeiden. In dem Missbrauchsfall hatte das niedersächsische Jugendamt dem Hauptverdächtigen Andreas V. die Pflege eines Kindergartenkindes übertragen, der als arbeitsloser Dauercamper in Lügde lebte. Das Kreis­jugendamt Lippe sei dazu nicht konsultiert worden. Wenn Pflegeeltern im Bereich eines anderen Jugendamtes ausgesucht werden, müsse künftig das Jugendamt vor Ort zustimmen, betonte Stamp.

Für die Prävention gegen Kindesmissbrauch sollen in Schulen und Kitas, ebenso in Jugend- und Freizeit­einrichtungen oder Vereinen einheitliche Schutzkonzepte verpflichtend umgesetzt werden. Konkret nannte der Minister auch Schutzräume außerhalb der Familien. In Verbindung mit Aufklärung will Stamp erreichen, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche verhindert wird oder zumindest frühzeitig auffällt. „Wir sind verpflichtet, die Schwachen in unserem Land vor sexualisierter Gewalt und Missbrauch zu schützen.“

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