Bahn
Verband: In Bahntrassen-Radwegen Potenzial für Bahnstrecken

Die Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken ist eine gute Möglichkeit, mehr Menschen mit dem Zug zu befördern. Auch auf Trassen, die längst als Radwege genutzt werden, meint ein Verkehrsverband.

Montag, 20.05.2019, 17:26 Uhr aktualisiert: 20.05.2019, 17:32 Uhr
Neue Schienen werden auf einer alten Bahntrasse in Hahnenfurt verlegt.
Neue Schienen werden auf einer alten Bahntrasse in Hahnenfurt verlegt. Foto: Roland Weihrauch

Köln (dpa/lnw) - Die öffentlichen Verkehrsunternehmen sehen auch bei längst zu Radwegen umgebauten Bahntrassen die Möglichkeit, wieder Züge darauf fahren zu lassen. Dies geht aus einer Liste hervor, die der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Montag in Berlin vorgelegt hat. Unter den Vorschlägen für Nordrhein-Westfalen sind zwei Trassen, die in den vergangenen Jahren zu Radwanderwegen umgebaut wurden: Ein Teilstück der Radautobahn RS1 in Mülheim sowie der Panoramaradweg, der durch Velbert verläuft.

Bundesweit sieht der VDV bei mehr als 3000 Kilometern stillgelegten Bahnstrecken das Potenzial, sie wieder in Betrieb nehmen zu können. Das würde den Personenverkehr in Deutschland verbessern, teilten der VDV und das Verkehrsbündnis «Allianz für Schiene» mit. Mit den Reaktivierungen ließen sich zahlreiche Lücken im deutschen Schienennetz schließen und die steigenden Passagierzahlen besser bewältigen. Insgesamt hält der VDV die Reaktivierung von 186 Strecken für möglich. 29 davon liegen in NRW.

In der Liste wird unter anderem die 28 Kilometer lange Trasse der Niederbergbahn zwischen Oberdüssel und Kettwig-Stausee genannt, auf der seit 1960 keine Personenzüge mehr fahren und auf der seit einigen Jahren der sogenannte Panoramaradweg verläuft. Auch ein erst vergangene Woche eröffnetes Teilstück des Radschnellwegs Ruhr RS1 in Mülheim hat der VDV in seine Überlegungen miteinbezogen - als Bestandteil einer neun Kilometer langen Ausweichstrecke für den Güterverkehr zwischen Duisburg-Wedau und Mülheim Hauptbahnhof.

Eine Reaktivierung solcher Bahnstrecken bedeute nicht, dass der Fahrradweg verschwinden müsse, sagte VDV-Sprecher Lars Wagner. «Man könnte auch einen Fahrradweg daneben legen.» Es gäbe sicherlich Möglichkeiten, beides zu kombinieren. Man müsse sich die Frage stellen, ob man einen Fahrradweg brauche, der die Breite von zwei Gleisen habe. «Wo das passiert ist, sind das überproportional breite Fahrradwege.» Im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sind nach eigenen Angaben rund 600 Unternehmen des Öffentlichen Personenverkehrs und des Schienengüterverkehrs in Deutschland organisiert.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) plant bereits drei Reaktivierungen und zwar zwischen Bottrop und Recklinghausen (S9) sowie zwischen Mettmann-Stadtwald und Wuppertal-Vohwinkel. Außerdem soll ab 2021 ein fahrplanmäßiger Betrieb auf einer ehemaligen Grubenbahntrasse zwischen Moers und Kamp-Lintfort aufgenommen werden. Laut dem Verkehrsbündnis «Allianz pro Schiene» wurden in NRW zwischen 1994 und 2018 auf 18 Strecken insgesamt 105 Kilometer für den Personenverkehr reaktiviert. Das längste Stück verläuft mit 15 Kilometern zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid-Brügge (Märkischer Kreis).

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