Kriminalität
17-Jährige getötet: Verwirrung um Alter des Angeklagten

Ein junger Mann soll im Dezember in einer städtischen Unterkunft im Rheinland eine Jugendliche getötet haben. Zum Start des Prozesses kommt eine überraschende Frage auf: War der Angeklagte zur Tatzeit jünger als gedacht?

Dienstag, 21.05.2019, 19:19 Uhr aktualisiert: 21.05.2019, 19:32 Uhr
Bestatter transportieren aus einer städtischen Unterkunft eine Leiche ab.
Bestatter transportieren aus einer städtischen Unterkunft eine Leiche ab. Foto: Federico Gambarini

Bonn (dpa) - Die Verwirrung ist bereits wenige Augenblicke nach dem Prozessauftakt perfekt: Wie alt war der junge Mann, der am Dienstag im weißen Hemd auf der Anklagebank des Landgerichts Bonn sitzt, im Dezember vergangenen Jahres? Damals soll er in einer Unterkunft in Sankt Augustin eine Jugendliche vergewaltigt und ermordet haben. Sein Verteidiger sagt, der Angeklagte sei zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt gewesen. Sollte das stimmen, könnte das Gericht im Falle einer Verurteilung ausschließlich das Jugendstrafrecht anwenden, sagte ein Gerichtssprecher. Bislang waren die Ermittler davon ausgegangen, dass er 19 war.

Der Mann war als Kleinkind mit seiner Mutter aus Kenia nach Deutschland gekommen und besitzt neben der kenianischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft - und damit einen Personalausweis. Warum das dort angegebene Geburtsdatum falsch sein soll, kann der Gerichtssprecher nicht sagen. «Das Alter des Angeklagten wird bis zum nächsten Verhandlungstermin geprüft, wenn nötig, mit medizinischen Methoden», versichert er.

Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft schwieg der Angeklagte am Dienstag. Laut Anklage sollen er und die 17-Jährige sich am Abend der mutmaßlichen Tat am Rheinufer kennengelernt haben. Anschließend seien sie mit Bekannten durch Bonner Kneipen gezogen. Als die Jugendliche den letzten Zug nach Hause verpasste, habe der junge Mann ihr angeboten, sie mit in die Unterkunft nach Sankt Augustin zu nehmen.

In seinem Zimmer habe er sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft vergewaltigt und geschlagen. Anschließend habe die Jugendliche gedroht, ihn anzuzeigen. Um das zu verhindern, habe der Mann sie erstickt.

Zwei Tage lang soll er versucht haben, die Leiche aus dem Zimmer zu schaffen. Dafür habe er unter anderem Müllsäcke besorgt und einen Einkaufswagen gestohlen. Die Ermittler kamen ihm auf die Spur, weil die Jugendliche am Tatabend von ihrem Handy aus noch Nachrichten an Bekannte verschickt und in sozialen Netzwerken gepostet hatte.

Als Polizeibeamte ihn in der Unterkunft aufsuchten, habe er gleich zugegeben, dass die 17-Jährige tot in seinem Zimmer liege. In einer anschließenden Vernehmung habe der Mann laut Staatsanwaltschaft gestanden, Gewalt gegen die Jugendliche ausgeübt zu haben.

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