Kriminalität
Auch CDU und FDP für Untersuchungsausschuss zum Fall Lügde

Im Landtag sind sich die Parteien einig: Beim Kindesmissbrauch von Lügde soll ein Untersuchungsausschuss Versagen und Konsequenzen klären. Es könnte auch noch einen weiteren Tatort geben.

Freitag, 24.05.2019, 18:28 Uhr aktualisiert: 24.05.2019, 18:42 Uhr
Auf dem Campingplatz Eichwald parkt vor der eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters ein Polizeiauto.
Auf dem Campingplatz Eichwald parkt vor der eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters ein Polizeiauto. Foto: Guido Kirchner

Düsseldorf (dpa/lnw) - Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde wollen jetzt auch CDU und FDP mögliches Behördenversagen von einem Untersuchungsausschuss des Landtags aufarbeiten lassen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Fraktionskreisen. «Wir haben den Oppositionsfraktionen von SPD und Grünen heute vorgeschlagen, einen gemeinsamen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Lügde auf den Weg zu bringen», erklärten die Fraktionschefs, Bodo Löttgen (CDU) und Christof Rasche (FDP), auf Anfrage. Die SPD hatte am Dienstag einen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses angekündigt. Auch Grüne und AfD haben sich für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen sollen über Jahre hinweg zahlreiche Kinder schwer sexuell missbraucht worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat drei Männer angeklagt. Dem 56-jährigen Hauptverdächtigen wirft sie in der Anklage 293 Fälle vor. Demnach soll sich der Mann unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie dem Besitz von kinderpornografischen Schriften verantworten. Der Prozess soll Ende Juni beginnen.

Polizei und Jugendämter stehen in dem Fall in der Kritik. Sie sollen Hinweisen auf den Hauptverdächtigen nicht nachgegangen sein. Auch bei den Ermittlungen gab es Pannen, unter anderem sind Beweismittel verschwunden. Im Landtag wirft die Opposition Innenminister Herbert Reul (CDU) vor, das Ausmaß des Missbrauchsfalls zu spät erkannt zu haben.

Der Untersuchungsausschuss soll nach den Vorstellungen von CDU und FDP den Missbrauchsfall «in seiner ganzen zeitlichen und inhaltlichen Dimension» behandeln. Die Untersuchungen sollten nicht auf unterschiedliche Gremien verteilt werden.

Nach einem Bericht des «Spiegel» prüfen die Ermittler einen möglichen weiteren Tatort. Wie das Nachrichtenmagazin am Freitag vorab berichtete, soll der Hauptbeschuldigte nach Aussage eines Zeugen im Sommer 2009 wiederholt Tauchurlaube an einem See im thüringischen Nordhausen gemacht haben. Nach Schilderung eines ehemaligen Tauchkameraden soll er immer minderjährige Kinder mitgebracht und diese als Nachbarskinder ausgegeben haben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind die Ermittlungen dazu noch nicht abgeschlossen.

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