Kriminalität
17-Jährige getötet: Alter des Angeklagten wird überprüft

Bonn (dpa/lnw) - Im Bonner Mordprozess um den gewaltsamen Tod einer 17-jährigen Berufsschülerin in einer Obdachlosenunterkunft in Sankt Augustin hat das Gericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dem Angeklagten sei nicht zu widerlegen, dass er tatsächlich zwei Jahre jünger sei als bislang angegeben, befand das Landgericht Bonn am Dienstag. Demnach sei er zur Tatzeit noch keine 18 Jahre alt und also noch Jugendlicher gewesen.

Dienstag, 04.06.2019, 14:41 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 14:52 Uhr

Hintergrund sind neue Informationen zu seiner Familiengeschichte: Die Frau, die der Deutsch-Kenianer bisher als seine Schwester ansah, ist in Wahrheit seine Mutter. Das hat ein von der Kammer eingeholtes DNA-Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bonn ergeben. Die Mutter versicherte als Zeugin, ihr Sohn sei in Kenia am 19. Juni 2001 geboren worden. In den dem Gericht vorliegenden Akten ist als Geburtsdatum der 17. Juni 1999 vermerkt.

Der Angeklagte erklärte auf Fragen des Vorsitzenden Richters, er habe keine Erklärung dafür, warum er zwei Jahre älter gemacht worden sei. Da der Angeklagte jetzt als Jugendlicher gilt, ändert sich die Strafzumessung: Sollte er, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, wegen Mordes zur Verdeckung einer Straftat, nämlich einer Vergewaltigung, verurteilt werden, müsste er für höchstens zehn Jahre ins Gefängnis. Als Heranwachsendem hätten ihm bis zu 15 Jahre gedroht.

Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, im vergangenen Jahr in Sankt Augustin die 17-Jährige aus Unkel in Rheinland-Pfalz vergewaltigt und ermordet zu haben. Das Opfer war Anfang Dezember in der städtischen Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose gefunden worden, in der der Angeklagte lebte.

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