Regierung
Es «heimatet» in NRW: Heimatpreise und Heimatschecks boomen

Die schwarz-gelbe Landesregierung lässt sich die Heimat Millionen kosten. Mit Preisen und Projekten soll gefördert werden, was die Menschen verbindet. Und sogar ein neues Wort wurde erfunden: «heimaten».

Mittwoch, 05.06.2019, 16:06 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 16:22 Uhr
Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau, Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau, Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die nordrhein-westfälische Landesregierung lässt es «heimaten»: Mehr als 140 Städte, Kreise und Gemeinden in NRW wollen Heimatpreise zur Würdigung des meist ehrenamtlichen Engagements vergeben. Die Preise werden je nach Größe der jeweiligen Kommune mit 5000, 10 000 oder 15 000 Euro vom Land bezuschusst, wie Heimatministerin Ina Scharrenbach ( CDU ) am Mittwoch sagte. Die Kommunen können selbst entscheiden, wie sie den Heimatpreis ausgestalten und ob sie ihn jährlich vergeben wollen. Themen sind nicht vorgegeben. Bei einem Heimat-Kongress im kommenden Jahr im Rheinland soll eine Jury aus den lokalen Preisträgern dann einen Sieger für den Landes-Heimatpreis wählen. «Wir fördern, was Menschen verbindet», sagte Scharrenbach.

Ein Renner sind auch die «Heimat-Schecks». Weil die Nachfrage nach diesen unbürokratischen Zuschüssen über 2000 Euro für kleine Projekte so groß ist, wird die Zahl nun von bisher 1000 auf 2000 verdoppelt. Damit können laut Scharrenbach zum Beispiel Kinderbücher zur Stadtgeschichte oder Filmprojekte zum Thema Heimat bezuschusst werden.

Auch für größere Projekte unter dem Titel «Heimat-Zeugnis», die ein Volumen von mindestens 100 000 Euro haben, gibt es Nachfrage. So seien bereits drei Vorhaben jüdischer Gemeinden bewilligt worden, sagte Scharrenbach. Dabei geht es unter anderen um die Sanierung alter Synagogen, die zu Gedenkstätten und Begegnungszentren umgestaltet werden sollen. Auch mit muslimischen Vereinen sei die Regierung in Kontakt. Bei dem Projekt «Heimat-Zeugnis» soll die Geschichte prägnanter Bauwerke zeitgemäß und interessant aufgearbeitet werden, so dass die Gebäude zu «Lern-Orten» werden.

Das Land stellt nach aktuellen Angaben des Ministerium insgesamt 150 Millionen Euro bis 2022 für diverse Heimatinitiativen bereit. So werden zum Beispiel auch «Heimat-Werkstätten» gefördert wie ein Fotoprojekt in Bottrop, bei dem Bilder der für Bürger wichtigen Orte an die Fassade eines Hochbunkers projiziert werden. Mit 25 000 Euro unterstützt das Land auch einen besonderen Heimat-Kalender der Sauerland-Stadt Balve. An jedem der 366 Tage des Schaltjahres 2020 wird auf dem Kalender ein Balver gezeigt - oder jemand, der mit der Stadt verbunden ist.

In der Begeisterung für Heimat hat das Ministerium sogar den deutschen Sprachschatz durch neue Schöpfungen erweitert. «Nordrhein-Westfalen heimatet», heißt es in der Pressemitteilung. Die Projekte sollen zeigen, wie in NRW «geheimatet» wird. Die Landesregierung setzt auf die Ideen derer, die vor Ort tagtäglich «heimaten».

Die SPD im Landtag warf Scharrenbach vor, Heimatpflege als verdeckten Wahlkampf zu betreiben. «Ihre landesweit verteilten Schecks tragen kaum zur Problemlösung vor Ort bei, sondern dienen lediglich dazu, der CDU-Frau einen prominenten Platz in den lokalen Medien zu sichern», erklärte SPD-Fraktionsvize Christian Dahm. Vielerorts fehle Kommunen schlicht das Geld, um die Heimat liebenswert zu gestalten.

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