Inklusion
Schulministerin stellt neue Unterrichtstandards vor

Düsseldorf -

Im Wahlkampf hatte sie die Messlatte hoch gehängt: Für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf hatte Yvonne Gebauer (FDP) verlässliche Standards samt personeller Ausstattung versprochen. Am Dienstag legte die NRW-Schulministerin den Leistungsnachweis nun vor.

Dienstag, 18.06.2019, 12:48 Uhr aktualisiert: 18.06.2019, 14:01 Uhr
Inklusion: Schulministerin stellt neue Unterrichtstandards vor
Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) spricht im konfessionell-kooperativen Religionsunterricht in der Grundschule im Bergmannsfeld zu einer Klasse. (Archiv) Foto: Oliver Berg/dpa

Ab dem im August beginnenden Schuljahr sollen insgesamt 775 „Schulen des gemeinsamen Lernens“ die Aufgabe der Inklusion übernehmen, sagte sie vor dem Landtag. „Alle 775 werden die Qualitätskriterien für das gemeinsame Lernen erfüllen müssen“, versprach  Yvonne Gebauer fast zwei Jahre nach Amtsantritt und ergänzte selbstbewusst: „Das ist auch ein Quantensprung.“

2,4 Förderschüler je Klasse

Die ausgewählten Schulen sollen der Ministerin zufolge 6756 Kinder mit Förderbedarf in Klasse 5 aufnehmen. Die Verteilung folgt dabei einem Schlüssel, wonach maximal drei von ihnen in eine Klasse mit 25 anderen Schülern integriert werden. Der Schnitt liege so bei 2,4 Förderschülern je Klasse. Das auch deshalb, weil 365 Kinder an 172 weiteren Schulen in so genannter Einzelintegration unterrichtet werden. Diese „Orte des gemeinsamen Lernens“ spielen laut Staatssekretär Matthias Richter ( FDP ) vor allem dort eine Rolle, wo andere Förderangebote nicht oder nur schwer erreichbar sind.

6000 neue Stellen für Sonderpädagogen

Betreut werden die Klassen in Schulen des Gemeinsamen Lernens von einer Lehrkraft und zeitweise einer Fachkraft – im Idealfall einem Sonderpädagogen. 1,5 Stellen je Klasse sind geplant. Gebauer betonte, bis 2025 würden insgesamt 6000 neue Stellen für Sonderpädagogen geschaffen, die ebenso von Lehrern oder Sozialpädagogen mit Zusatzausbildung besetzt werden können.

Weniger inklusive Gymnasien

Unter den 775 Schulen sind 139 Hauptschulen, 214 Realschulen, fünf Gemeinschaftsschulen, 96 Sekundarschulen, 286 Gesamtschulen - und 35 der insgesamt 511 öffentlichen Gymnasien. Hier fällt die größte Veränderung gegenüber dem bisherigen System ins Auge: Zwar übernehmen weitere 120 Gymnasien auch die Integration einzelner Förderschüler, doch gegenüber den zuletzt 185 inklusiv arbeitenden Gymnasien ist auch die Summe von 155 eine deutliche Abnahme. Mit den Eltern von bis jetzt aufgenommenen Kindern mit Förderbedarf sollen Gespräche geführt werden, welche Schule die beste Lösung ist, kündigt die Ministerin an.

Zwei Milliarden Euro bis 2025

„Bei uns steht die Qualität und nicht die Quote im Vordergrund“, betonte Gebauer. Als Standards verlangt sie ein pädagogisches Konzept zur Inklusion – auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten, einen festen Stamm von Sonderpädagogen für Kontinuität, regelmäßige Fortbildungen und passende räumliche Voraussetzungen.

Geld für die 6000 neuen Stellen, von denen die ersten 1000 im neuen Schuljahr starten sollen, steht Gebauer zufolge bereit: zwei Milliarden Euro bis 2025. Damit die Mittel wirksam eingesetzt werden können, ist ihr wichtig: „Wir müssen von der Einzelintegration wegkommen.“

Nach dem bisher praktizierten Modell der Inklusion gab es zuletzt 1027 „Schulen des gemeinsamen Unterrichts“. Ein Zahlenvergleich beider Systeme sei nicht möglich, weil zuvor keine Daten über Eingangsklassen erhoben wurden, sagt Gebauer. Klar sei nur: Im jetzt endenden Schuljahr wurden 6941 Kinder mit Förderbedarf in die fünfte Klasse an allgemeinen Schulen aufgenommen.

„Wir werden den Weg der inklusiven Beschulung weiter gehen, allerdings mit besseren Rahmenbedingungen“, sagt Gebauer. Die will sie in Kürze auch für die Grundschulen neu regeln – im Rahmen der angekündigten Masterplans.

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