Münster macht das Rennen
Zuschlag für Forschungsfertigung von Batteriezellen

Düsseldorf/Münster/Ibbenbüren -

Es war ein Politkrimi mit Ränkespielen, Intrigen und Einflussnahmen um ein 500 Millionen schweres Förderbudget des Bundes. Um es zu bekommen, hat das Land seine Bewerbung mit weiteren 200 Millionen Euro ausstaffiert. Mit Erfolg: Die Forschungsfertigung Batteriezelle soll in Münster entstehen. 

Freitag, 28.06.2019, 18:58 Uhr aktualisiert: 28.06.2019, 21:02 Uhr
Münster macht das Rennen: Zuschlag für Forschungsfertigung von Batteriezellen
Bis zu 1000 Mal werden in Münster im Labor des Batterieforschungszentrums „Meet“ Testzellen zyklisiert, das heißt ge- und entladen. Foto: dpa

Die Bewerbung aus NRW, die sowohl die Batterieforschung im Meet in Münster als auch die große Erfahrung der RWTH Aachen in Produktionstechnik vereint, stehe am stärksten für den zentralen Aspekt der Nachhaltigkeit, begründete Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Freitag in Berlin ihre Entscheidung. Die hatte sie nach Indiskretionen und politischen Irritationen zehn Tage vorgezogen.

Ausschlaggebend im Wettbewerb mit fünf Ländern sei der Fokus auf das Thema Recycling gewesen, betonte Karliczek. „Mit Blick auf die ökologischen Aspekte rückt die grüne Batterie in greifbare Nähe.“ Teil des Konzeptes ist ein so genannter Netzbooster in Ibbenbüren, bei dem Stromspeicher aus ausrangierten Batteriezellen als Puffer für Netzschwankungen getestet werden.

Hotspot der Batterieforschung

Professor Martin Winter, unter dessen Führung die Forschungsfertigung entsteht, erklärte als Anspruch, eine umweltfreundliche Batteriezelle schließe die Produktion mit ein. Für die Forschungsfertigung wird er eng mit Aachener Kollegen, den Professoren Günter Schuh und Achim Kampker, zusammenarbeiten.

Alle drei seien internationale Spitzenforscher, bekräftigte NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. „Es ist bundesweit erkennbar, dass wir ein Exzellenzzentrum der Batterieforschung sind und dass wir den Weg in Richtung der grünen Batterie verfolgen.“ Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) reagierte erfreut: „Mit der bereits vorhandenen Expertise und der kommenden Forschungsfertigung für Batteriezellen entwickelt sich Münster zum Hotspot der Batterieforschung in Deutschland.“

Kommentar

Das Batteriezentrum für Münster: Ein „Quantensprung“

Zum Schluss war es ein Zittersieg für die Bewerbung aus NRW. Die Bedeutung der Forschungs­fertigung Batteriezelle, die jetzt in Münster und ­Ibbenbüren aufgebaut wird, ist gar nicht hoch genug ­einzuschätzen. Das Wort „Quantensprung“ beschreibt ­ die bundes- und europaweite Strahlkraft dieses Projekts treffend. Diese Entscheidung nimmt gezielt ein Manko der Wirtschaft in den Blick: In Sachen Batteriezellenproduktion hinkt Deutschland – noch – meilenweit hinterher.

Professor Winter und sein Team wollen sich damit aber nicht aufhalten und stattdessen die Aufholjagd in Münster beginnen. Das strategische Ziel, dass künftig Innovationen und Patente für eine Zukunftstechnologie mit umweltfreundlicheren Batterien wieder aus Deutschland kommen, wird nicht einfach zu erreichen sein.

Für Münster und das Münsterland ist die Entscheidung von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek wie ein Jackpot – die plötzliche Aussicht auf ungeahnte Möglichkeiten. Damit verbinden sich enorme Heraus­forderungen: Das Wachstumsversprechen gilt auch für den Wohnungen und die Verkehrsinfrastruktur. Der Nachholbedarf ist offensichtlich. Das Geld dafür kommt nicht „von oben“.

Von Hilmar Riemenschneider

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6731668?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F
Nachrichten-Ticker