Gesundheit
Eichenprozessionsspinner: Ministerien schlagen Alarm

Düsseldorf/Münster -

Der Eichenprozessionsspinner und kein Ende: Die Praxen sind voll mit Menschen, die über Juckreiz, Augenbrennen bis hin zur Atemnot klagen. Die zuständigen Ministerien sind äußerst besorgt.

Montag, 01.07.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 12:12 Uhr
Eine echte Plage, eine echte Gesundheitsgefahr: Der Eichenprozessionsspinner. 
Eine echte Plage, eine echte Gesundheitsgefahr: Der Eichenprozessionsspinner.  Foto: Axel Roll

Die gesundheitlichen Risiken durch die massive Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners alarmiert jetzt auch die zuständigen Landesministerien in Düsseldorf. „Wir rufen die Bevölkerung zu erhöhter Achtsamkeit und Vorsorge auf. Der Kontakt mit den Raupen und Gespinstnestern ist unbedingt zu vermeiden“, sagt Edmund Heller , Staatssekretär im Gesundheitsministerium . „Die Raupen besitzen sogenannte Brennhaare, die bei Hautkontakt zu Verletzungen und entzündlichen Reizungen führen können“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der zuständigen Ministerien für Gesundheit und Umwelt, Verbraucherschutz und Landwirtschaft.

Der Eichenprozessionsspinner hatte sich zuletzt gerade im Münsterland weiter ausgebreitet, zahlreiche Menschen litten nicht nur unter Hautreizungen, sondern sogar unter Atembeschwerden oder Augenverletzungen. Zahlreiche Plätze wie zum Beispiel Schwimmbäder sind bereits gesperrt, um vor allem Kinder vor Berührung mit den Raupen zu schützen. Auch Schulen und Vereine in der Region hatten zuletzt zahlreiche Feste und Veranstaltungen abgesagt, die Grünflächenämter der Städte und Kommunen sind derzeit im Dauereinsatz, um die schlimmsten Nester zu beseitigen.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Hinweise zur Bekämpfung

Die Landesregierung ist nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit besonders betroffenen Kommunen, warnt Privathaushalte aber davor, selbst „Gegenmaßnahmen auf eigene Faust“ etwa im heimischen Garten oder Wald durchzuführen. „Sofern ein Befall im Garten oder Wald zu beobachten ist, sollten Spezialfirmen beauftragt werden“, so Staatssekretär Heller.

Das Umweltministerium geht davon aus, dass die effektivste Möglichkeit zur Bekämpfung des Prozessionsspinners das Absaugen mit speziellen Geräten ist. „Daneben besteht auch die Möglichkeit des gezielten Einsatzes von Bioziden“, hieß es in der Erklärung, die unserer Zeitung vorliegt. Diese Biozide sind aber nur bis zum zweiten Raupenstadium sinnvoll – dieses ist aber bereits abgeschlossen.

Tipps

Bei Verdacht eines Gifthaarkontakts empfehlen die Gesundheitsbehörden folgende Maßnahmen:

- Kleiderwechsel und der Versuch, mit einem Klebeband vorhandene Brennhaare von der Haut abzunehmen

- Duschbad mit Haarwäsche

- Bei Augenbeteiligung das Spülen mit Wasser

- Hautreaktionen können lokal symptomatisch mit mittelstark bis stark wirksamen Kortikosteroiden behandelt werden

- Bei Bindehautentzündung Augentropfen, die auch ein Antiseptikum enthalten

- Gegen den Juckreiz sind orale Antihistaminika hilfreich

- Schwerere Verläufe können eine systemische Kortikosteroidtherapie notwendig machen

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