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Polizeivideo für Landtag zeigt Sturm auf Tagebau

Knapp drei Wochen nach den «Ende Gelände»-Protesten im Rheinischen Revier sorgt ein Video der Polizei für Aufsehen: In dem Film für den Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags sind Luftaufnahmen des Ansturms auf den Tagebau sowie große Schäden in einem Feld zu sehen.

Freitag, 12.07.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 12.07.2019, 15:22 Uhr
Der Screenshot aus einem Polizei-Video zeigt einen Marsch von Aktivisten durch Felder beim Tagebau Garzweiler.
Der Screenshot aus einem Polizei-Video zeigt einen Marsch von Aktivisten durch Felder beim Tagebau Garzweiler. Foto: -

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Macht der Bilder: Nachdem Ende Juni zunächst Aktivisten der «Ende Gelände»-Bewegung die Sozialen Medien mit Videoschnipseln befüllten, die unter anderem Gewalt der Polizei gegen Demonstranten zeigen sollten, liegt nun ein Film der Polizei vor. In knapp fünfeinhalb Minuten ist aus der Luft zu sehen, wie Aktivisten bei den Protesten im Rheinischen Revier Polizisten überrennen, RWE-Sperren durchbrechen und durch ein Feld marschieren - in das sie eine gewaltige Schneise schlagen. Die teils spektakulären Aufnahmen wurden aus Hubschraubern der Landes- und Bundespolizei gemacht.

Das Video war bereits vergangene Woche im Innenausschuss des Landtags gezeigt worden. Durch einen Bericht der «BILD»-Zeitung wurde es am Freitag der Öffentlichkeit bekannt. Mutmaßliche Botschaft der Bilder, die nach Angaben des Innenministeriums aus rund 40 Stunden Material zusammen geschnitten wurden: Die Aktivisten gingen ziemlich robust zur Sache. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte: «Das Video wurde im Innenausschuss gezeigt, um den Abgeordneten einen Eindruck des Einsatzgeschehens am Tagebau zu geben.»

Der Film besteht vor allem aus Aufnahmen vom 22. Juni. An dem Samstag hatten hunderte Aktivisten den Tagebau gestürmt. In dem Video ist bereits nach einer knappen Minute zu sehen, wie eine Polizistin von den Aktivisten beim Sturm auf die Tagebaukante förmlich überrannt wird. Unklar bleibt, ob die Polizistin verletzt wurde. Nach Angaben der Polizei Aachen vom Freitag waren bei dem viertägigen Einsatz insgesamt 16 Beamte verletzt worden, vier hätten ihren Dienst nicht fortsetzen können. «Bei der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um Verletzungen der Gliedmaßen nach Stürzen oder Widerstandhandlungen», so eine Polizeisprecherin. Etwa die Hälfte der Verletzungen sei aus der «direkten Konfrontation zwischen Aktivisten und Polizeibeamten» entstanden. In anderen Fällen waren Polizisten unter anderem im Gelände gestürzt.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, Michael Mertens , war als Beobachter während des «Ende Gelände»-Samstags selbst im Rheinischen Revier. Zu dem Video für den Innenausschuss sagte er der dpa: «Was hier aufgenommen wurde, hat nichts mehr mit dem Recht auf Versammlungsfreiheit zu tun.» Mertens begrüßte die Veröffentlichung durch das Innenministerium , da bisher vor allem Videosequenzen der Aktivisten im Internet kursierten: «Diese kurzen Ausschnitte zeigen aber nie die ganze Wahrheit.»

Aber was ist die Wahrheit? Zu ihr gehört offenkundig auch, dass Aktivisten auf ihrem Weg Richtung Tagebau auch durch Felder stapften - und sie teilweise beschädigten. In dem Video des Innenministeriums ist so auch zu sehen, wie hunderte Aktivisten in einer Art Schlange durch ein Feld bei Rommerskirchen marschieren. Sechs Tage später überflog die Polizei das Gebiet noch einmal und dokumentierte eine breite Schneise, die die Demonstranten durch das Feld geschlagen hatten. Das Video hat keinen Ton. In einer Einblendung heißt es daher nüchtern: «Dokumentation der Flurschäden am 28.06.2019».

«Ende Gelände» hatte nach den Protesten im Rheinischen Revier Bauern angeboten, ihre Schäden zu melden - um dafür aufzukommen. «Die Gespräche laufen, sie sind sehr freundlich und verständnisvoll», sagte eine Sprecherin von «Ende Gelände» am Freitag der dpa. Man stehe zu dem Wort, Landwirtinnen und Landwirte für Ernteausfälle zu entschädigen. Wieviele sich konkret gemeldet haben, sagte die Sprecherin nicht. Ein Bauer, der in mehreren Medien als Betroffener gezeigt worden war, habe sich bisher nicht gemeldet. Tatsächlich sei man bei ihm auch nur über ein abgeerntetes Petersilienfeld marschiert, so die Sprecherin. Die Wahrheit über die Vorkommnisse bei «Ende Gelände» ist an manchen Stellen eben kompliziert.

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