Wirtschaft
Früherer Wirtschaftsminister Werner Müller gestorben

Er war Gerhard Schröders Wirtschaftsminister und galt als der letzte «Ruhrbaron»: Jetzt ist Werner Müller im Alter von 73 Jahren gestorben.

Dienstag, 16.07.2019, 11:39 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 11:52 Uhr
Werner Müller, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister und Manager, ist in der Nacht zum Dienstag verstorben.
Werner Müller, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister und Manager, ist in der Nacht zum Dienstag verstorben. Foto: Bernd Thissen

Essen (dpa) - Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und Manager Werner Müller ist tot. Er starb in der Nacht zum Dienstag nach schwerer Erkrankung in seiner Geburtsstadt Essen, wie ein Sprecher des Unternehmens Evonik der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er wurde 73 Jahre alt und hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Müller galt als letzter großer Ruhrbaron traditioneller Prägung. Seine Krebskrankheit hatte ihn zuletzt stark gezeichnet. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Der parteilose Müller war in der rot-grünen Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) von 1998 bis 2002 Wirtschaftsminister. Der Alt-Kanzler würdigte ihn als «großen Wirtschaftslenker». «Seit unserer ersten Begegnung Anfang der neunziger Jahre hat er mich durch seine Ausstrahlung, seine Professionalität, seine Klarheit im Denken und Zielstrebigkeit für sich eingenommen», heißt es in einer Erklärung Schröders. Müllers großes Verdienst sei es, die Zustimmung der deutschen Energieversorger zum Atomausstieg zu erreichen.

Müller war auch Mitbegründer der RAG-Stiftung, die die Ewigkeitslasten des Bergbaus abdeckt und erster Chef des Chemiekonzerns Evonik, der die dafür nötigen Mittel zu großen Teilen erwirtschaftet. Müller war auch Mitglied des Aufsichtsrates des Fußall-Bundesligisten Borussia Dortmund.

2003 wurde Müller Vorstandsvorsitzender der RAG . In dieser Zeit managte er den Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet und an der Saar. Von 2007 bis 2008 leitete er den Industriekonzern Evonik, der aus der RAG hervorgegangen war.

«Werner Müller hat unschätzbare Verdienste um den deutschen Bergbau und die Bergleute, die ihm persönlich immer besonders am Herzen lagen», sagte der aktuelle RAG-Vorstandschef Peter Schrimpf. Aus dem Vorstand der RAG-Stiftung zog sich Müller, der parallel Klavier und Volkswirtschaftslehre studiert hatte, im vergangenen Jahr zurück.

Die Vorsitzende des RAG-Gesamtbetriebsrats, Barbara Schlüter, sagte: «Werner Müller hat den Bergleuten geholfen, den Ausstieg des Steinkohlenbergbaus sozialverträglich und würdig zu beenden. Dafür sind wir ihm dankbar.»

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einer traurigen Nachricht. «Habe ihn als Ministerpräsidentin in der gemeinsamen Arbeit in der RAG Stiftung auch als Mensch sehr schätzen gelernt», twitterte die Saarländerin. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte Müller als «großen Unternehmenslenker« und «Herzstück der Industriekultur des Ruhrgebiets».

Müllers früherer Kabinettskollege und Grünen-Politiker Jürgen Trittin teilte via Twitter mit: «Mein Freund Werner Müller ist heute gestorben. Er hat viel für diese Gesellschaft getan.»

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