Ein Kampf gegen die Zeit
Landesregierung will Prämie für den CO²-Speicher Wald durchsetzen

Bergisch Gladbach -

Diese sengende Hitze macht alles noch viel schlimmer. Schon die anhaltende Trockenheit seit vergangenem Sommer hat den Bäumen arg zu­gesetzt. Den Waldbesitzern läuft die Zeit davon: „Wir müssen das Holz rauskriegen, sonst stecken sich alle anderen Bäume auch noch an“, schildert Philipp Freiherr Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW, die ernste Lage. Mitten im riesigen Königsforst bei Bergisch Gladbach verschafft sich am Mittwoch Ministerpräsident Armin Laschet einen Eindruck, wie es um den Wald bestellt ist.

Donnerstag, 25.07.2019, 19:20 Uhr aktualisiert: 28.07.2019, 16:51 Uhr
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) steht am Rande eines gerodeten Waldstücks in Bergisch Gladbach. Mitglieder der Landesregierung haben sich mit Experten und Betroffenen im Königsforst über die aktuelle Lage um den Wald ausgetauscht.
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) steht am Rande eines gerodeten Waldstücks in Bergisch Gladbach. Mitglieder der Landesregierung haben sich mit Experten und Betroffenen im Königsforst über die aktuelle Lage um den Wald ausgetauscht. Foto: dpa

Der bereitet ihn aus einem neuen Aspekt Sorgen: Wenn die Baumbestände schrumpfen, verschärfe das den Klimawandel, weil weniger CO² aus der Luft gefiltert werde. „Diese größere Dimension müssen wir als Politik auch in den Blick nehmen“, sagt Laschet . Deshalb sei es notwendig, schnell wieder aufzuforsten. Das Land ver­doppele seine Mittel dafür zehn Jahre lang auf je zehn Millionen Euro. „Darf ich mich mal eben freuen?“, ruft Heereman.

Der Ministerpräsident will erreichen, dass die Klimafunktion des Waldes im Gegenzug positiv bewertet wird, wenn die Bundes­regierung einen Preis für CO²-Ausstoß festlegt. „Wer einen Hektar Wald aufforstet, leistet einen Beitrag zur CO²-Reduktion“, sagt Laschet. „Das muss man preislich­ ­anerkennen, das kann in Form einer Prämie ge­schehen.“ Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) ergänzt, sie wolle im Sommer ein System entwickeln.

Finanzielle Spielräume schaffen

Der Bundesverband der Familienbetriebe Land und Forst ist da weiter: Er fordert, die Leistung des Waldes als CO²-Speicher – bundesweit 127 Millionen Tonnen – analog zum gewählten CO²- Preis je Tonne zu honorieren. Das schaffe dringend ­benötigte finanzielle Spielräume beim Aufforsten, betont der Bundesvorsitzende Max Freiherr von Elverfeldt.

An einem Kahlschlag lässt Laschet den Blick über den Wald schweifen. „Es ist schon deprimierend, wenn man weiß, die Bäume hier sind vor 80, 90 Jahren gepflanzt worden.“ Darum komme es in den nächsten zehn Jahren darauf an, intensiv aufzuforsten.

Notwendig sind die Landesmittel, weil den Waldbauern die Erträge weg­gebrochen sind. Früher habe ein Festmeter 100 Euro gebracht, heute nur noch 40, berichtet Heereman. Fällarbeiten und Transport seien davon kaum gedeckt. Für die Bekämpfung des Borkenkäfers stelle ihr Haus 6,2 Millionen Euro bereit, erläutert Heinen-Esser. Abgerufen seien bisher 2,8 Millionen. Ein Problem: Es fehlen Lager­flächen, die Sägewerke sind ausgelastet. Es ist ein Kampf gegen die Zeit.

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