Prozesse
96-Jährige Rentnerin verliert Führerschein nach Fahrerflucht

Auf dem Weg zum Friseur fährt eine 96-Jährige versehentlich ein Motorrad um - und setzt ihre Fahrt fort. War das Fahrerflucht? Die alte Dame meint Nein. Sie kenne die Geschädigten schließlich schon lange.

Dienstag, 30.07.2019, 16:02 Uhr aktualisiert: 30.07.2019, 16:12 Uhr
Blick in das Land- und Amtsgericht Düsseldorf.
Blick in das Land- und Amtsgericht Düsseldorf. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa/lnw) - Das Amtsgericht Düsseldorf hat am Dienstag das Strafverfahren gegen eine 96-jährige Seniorin wegen Fahrerflucht eingestellt. Ein Strafbefehl über 900 Euro wurde aufgehoben. Als Auflage muss die schwerhörige gehbehinderte Frau ihren Führerschein abgeben.

Die 96-Jährige hatte im Juni 2018 auf dem Weg zum Friseur mit ihrem führerscheinpflichtigen rund 40 Stundenkilometer schnellen Krankenfahrstuhl das Motorrad der Nachbarn gerammt. Die Maschine kippte um und wurde beschädigt. Knapp 1500 Euro kostete die Reparatur.

Weil die Frau damals nicht am Unfallort blieb, sondern weiter zum Friseur fuhr und sich die Haare machen ließ, bekam sie eine Anzeige und einen Strafbefehl über 900 Euro. Die Rentnerin legte Einspruch ein und bekam teilweise Recht.

Die Verhandlung im Gerichtssaal wurde lautstark geführt. Da die betagte Dame kaum etwas hört, wurde sie von ihrem Sohn ausnahmsweise im Rollstuhl ganz nah an den Richtertisch geschoben.

Mit gehobener Stimme fragte die Richterin nach dem Hergang. Die Seniorin gab die Vorwürfe bereitwillig zu, betonte aber, sie habe ja gewusst, dass die Besitzer der Maschine erst an Nachmittag kommen würden und noch nicht zuhause sein konnten. «Deshalb bin ich zum Friseur und wollte das Ehepaar - die kenn ich lange - dann informieren.»

Richterin Nicole Marci zeigte Verständnis. Die 96-Jährige muss die 900 Euro nicht zahlen und darf sogar weiter fahren. Allerdings nur, wenn sie den Führerschein abgibt und die Geschwindigkeit ihres motorisierten Krankenfahrstuhls auf führerscheinfreie zehn Stundenkilometer drosselt.

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