VBE schlägt wegen Lehrermangels Alarm
„Das sind nur Notlösungen“

Münster/Düsseldorf -

Anhaltender Lehrermangel an Grundschulen, hohe Schülerzahlen: Knapp zwei Wochen vor Beginn des neuen Schuljahrs in NRW schlägt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Alarm und formuliert konkrete Forderungen.

Donnerstag, 15.08.2019, 07:00 Uhr
VBE schlägt wegen Lehrermangels Alarm: „Das sind nur Notlösungen“
Viele Schüler, wenig Lehrer: Vor Schulbeginn schlägt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Alarm. Foto: dpa

„Die aktuellen Notlösungen sehen wir sehr kritisch“, erklärt Vize-Landeschef Matthias Kürten gegenüber unserer Zeitung. Er fordert, dass Seiteneinsteiger und „schulformfremde“ Lehrer besser auf die Arbeit in der Grundschule vorbereitet werden müssen. „Die Landesregierung weitet den Seiteneinstieg sogar aus. Man braucht da wenigstens eine verpflichtende Vorbereitung.“

Oberstufenlehrer an Grundschulen

Hintergrund: Inzwischen arbeiteten 247 schulformfremde Lehrkräfte an Grundschulen, die eigentlich für die Sekundarstufe II (Gymnasium und Gesamtschulen) ausgebildet wurden. Schulministerin Yvonne Gebauer hat Anfang Juli nochmals angehende Oberstufen-Lehrer angeschrieben, sich auf Stellenausschreibungen an Grundschulen etc. zu bewerben. Der VBE warnt davor, dass die Grundschule aber nur eine „kurze Station im Lebenslauf“ dieser Lehrer bleibe. Denn das Land hat ihnen das Angebot gemacht, später eine Stelle ihrer Lehramtsbefähigung (Oberstufe) zu erhalten – wenn sie zwei Jahre an der Grundschule arbeiten würden. Doch laut Kürten wollten inzwischen viele gar nicht mehr wechseln. „Wir erwarten, dass ihnen attraktive Möglichkeiten geboten werden, an der Grundschule zu bleiben.“

Das Land hat angesichts des akuten Lehrermangels an Grundschulen bereits zwei Maßnahmenpakete aufgelegt. Dabei wird nicht nur auf einen vorübergehenden Einsatz von Oberstufenlehrern gesetzt, sondern auf erweiterte Möglichkeiten zur Verbeamtung, Seiteneinsteiger-Angebote besonders in schwer zu versorgenden Regionen (Beispiel Gelsenkirchen) und die Anwerbung von Pensionären. Denn bis neue Grundschullehrer ausgebildet sind, vergehen im Schnitt bis zu sieben Jahre: Man musste schnell handeln.

Sozialpädagogen sollen entlasten

Doch es gibt auch andere Lösungen: Schulministerin Yvonne Gebauer hat angekündigt, mit 650 neuen Stellen für Sozialpädagogen die Grundschullehrer zu entlasten. Problem: Sie muss sich mit dem Finanzminister über die Finanzierung der sozialpädagogischen Fachkräfte einigen. Diese Pläne werden vom VBE ausdrücklich begrüßt: „Diese Fachkräfte helfen den Kindern unter anderem beim Erlernen von Basiskompetenzen.“ Anders als Grundschullehrer sind diese Kräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar. Die Zahlen der Lehrer-Einstellungen für das laufende Schuljahr liegen noch nicht vor, werden aber vor Schulbeginn bekanntgegeben, teilte das NRW-Schulministerium mit. „Wir erwarten einen Masterplan, der die Grundschulen wertschätzt, unterstützt und entlastet“, erklärt Kürten.

Denn es gibt weiter viele neue Schüler:

► Für fast 2,5 Millionen Schüler in NRW beginnt nach den Sommerferien der Unterricht. Rund 158  400 werden laut Prognose eingeschult, wie das Schulministerium mitteilte. Verglichen mit den amtlichen Zahlen vom Vorjahr (152 690) rund 6000 mehr und die höchste Zahl seit 2012.

► Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund ist laut Statistikamt IT.NRW leicht auf 37 Prozent gestiegen: Auf den höchsten Anteil kamen Duisburg und Gelsenkirchen mit rund 53 Prozent, auf den niedrigsten die Kreise Borken (knapp 20 Prozent) und Coesfeld (16 Prozent).

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