Natur
Wissenschaftler: «Windloch»-Höhle außergewöhnlich

Höhlenforscher sprechen von einem «unterirdischen Schatzkästchen» und einem Jahrhundertfund: Das neu entdeckte «Windloch» birgt faszinierende Kristalle und Steingebilde. Inzwischen gilt es als drittgrößte Höhle in NRW - und eine Steigerung ist möglich.

Mittwoch, 11.09.2019, 17:51 Uhr aktualisiert: 11.09.2019, 18:04 Uhr
Natur: Wissenschaftler: «Windloch»-Höhle außergewöhnlich
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Engelskirchen (dpa/lnw) - Es gibt Kristalle, Fossilien und seltene Gipsformationen - und das in teils hallenartigen Gängen: Die kürzlich entdeckte «Windloch»-Höhle im Bergischen Land ist nach Einschätzung von Fachleuten auch im europäischen Vergleich außergewöhnlich. «Das ist wirklich ein Jahrhundertfund, da gibt es noch viel zu erforschen», sagte Stefan Henscheid vom Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen am Mittwoch in Engelskirchen. Die Höhle sei mindestens 35 Millionen Jahre alt - vielleicht aber auch noch wesentlich älter.

Seit der Entdeckung im März haben die Höhlenforscher des Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH) Gänge mit einer Gesamtlänge von mehr als fünf Kilometern vermessen. Damit gelte das «Windloch» nun nach offiziellen Standards als Riesenhöhle. Nach der Attahöhle im Sauerland und der Kluterthöhle bei Ennepetal ist es laut AKKH inzwischen die drittgrößte Höhle in NRW, deutschlandweit liege es auf Platz 15. Allerdings könnte das «Windloch» in der Rangfolge noch weiter nach oben klettern, denn noch längst sind nicht alle Gänge erkundet. «Wir arbeiten mit drei Vermessungsteams, und keines von ihnen ist bislang an einem Ende angekommen», sagte der AKKH-Vorsitzende Stefan Voigt .

«Die Dimensionen sind einfach unglaublich», schilderte Voigt. «Natürlich gibt es auch Engstellen, aber in weiten Teilen kann man einfach aufrecht durchlaufen.» Manche Gänge seien mehr als zehn Meter hoch.

Die Höhle sei voll mit Kristallen, Korallen, Gipsnadeln oder Kalkperlen. Teile der Gesteinsformationen seien schätzungsweise 390 Millionen Jahre alt. «Das ist ein unterirdisches Schatzkästchen», sagte Voigt. Dessen Inhalt soll genauer untersucht werden, wenn die Vermessung beendet ist.

«Man muss sehr vorsichtig vorgehen, denn die Höhle ist sehr fragil», sagte Henscheid. Jeder Fußabdruck in den bis dahin vollkommen unberührten unterirdischen Gängen zerstöre etwas.

Deshalb solle das «Windloch» weder «kaputt geforscht», noch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Eingang ist verschlossen und videoüberwacht, damit keine Neugierigen eindringen.

Die nahe gelegene Aggertalhöhle dagegen ist für alle geöffnet. Die Gemeinde Engelskirchen überlegt, dort ein neues Besucherzentrum zu bauen, in dem Interessierte sich auch über die neue Höhle informieren könnten, wie Bürgermeister Gero Karthaus sagte. Denkbar sei etwa, das «Windloch» durch einen virtuellen Rundgang erlebbar zu machen.

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