Umweltschutz
Niedersachsens Grüne fordern Luftballonverbot

Osnabrück -

Um das Verhungern von Vögeln zu verhindern: Die Grünen in Niedersachsen befürworten einen Verzicht auf das Steigenlassen gasgefüllter Luftballons. Das Landesministerium reagiert prompt.

Donnerstag, 12.09.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 12.09.2019, 15:59 Uhr
Umweltschutz: Niedersachsens Grüne fordern Luftballonverbot
Foto: dpa

Die Grünen in Niedersachsen sprechen sich für ein Verbot von Luftballons aus. „Steigen gelassene Luftballons landen in den allermeisten Fällen in der Natur. Vögel und andere Tiere fressen die weichen Ballonreste und verhungern dann mit vollem Magen“, sagte Grünen-Landeschefin Anne Kura der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ ( NOZ ). Auch Ballons aus Naturlatex seien daher keine echte Alternative.

Der NOZ zufolge reagiert Kura damit auf einen Beschluss der Stadt Gütersloh im benachbarten Nordrhein-Westfalen. Aus Umweltschutzgründen soll bei Veranstaltungen der Stadt Gütersloh auf fliegende Gasluftballons verzichtet werden, wie der Umweltausschuss der Stadt am Montag mit den Stimmen aller Fraktionen beschlossen hatte. Betroffen sind alle städtischen Veranstaltungen und somit auch Kindergärten und Schulen.

Auf der einen Seite steht das kurze schöne Bild von bunten Ballons in der Luft, auf der anderen das von verendeten Vögeln.

Grünen-Landeschefin Anne Kura

„Auf der einen Seite steht das kurze schöne Bild von bunten Ballons in der Luft, auf der anderen das von verendeten Vögeln“, sagte Kura der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das niedersächsische Umweltministerium lehnte die Verbotsforderung ab.

Albatros

Ein toter Albatros, bei dessen Autopsie Reste eines Ballons und ein Plastikstrohhalm entdeckt wurden. Foto: dpa/Lauren Roman

„In den Himmel steigende Luftballons haben die Menschen schon immer mit Träumen und Hoffnungen verbunden“, sagte ein Sprecher von Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) der NOZ. „Ein Ballonverbot rettet die Welt ganz bestimmt nicht.“

Verbote in Holland

Im Nachbarland Holland gab es im Frühjahr 2019 bereits in 17 Prozent der Kommunen ein Verbot, Luftballons aufsteigen zu lassen ( Karte ). Das hatte eine Untersuchung der Umweltorganisation De Noordzee ergeben. 2018 waren es noch 5 Prozent. 20 Prozent der niederländischen Kommunen rieten zudem dringend davon ab, Luftballons bei Feiern steigen zu lassen.

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Mehrere Parteien im niederländischen Parlament wollen sich für weitere Verbote einsetzen und äußerten sich besorgt über mögliche Schäden durch Ballonreste und Plastikmüll in der Nordsee. Bei einer Aufräumaktion  wurden in diesem Sommer laut der Umweltorganisation De Nordzee innerhalb von zwei Wochen die Reste von mehr als 3000 Ballons gefunden.

Wenn Luftballone töten

Verschluckte Fetzen von Luftballonen sind für Seevögel besonders gefährlich. «Ballons oder Ballonteile sind der tödlichste Müll im Meer», sagt Lauren Roman von der Universität Tasmanien (Australien). So sterbe fast jeder fünfte Seevogel, der solche Ballonteile verschlucke. Die Wahrscheinlichkeit, an solchen Gummistückchen zu sterben, sei rund 32 Mal höher als bei härteren Plastikteilen, schrieben die Forscher im März in einem Artikel des Fachmagazins  «Scientific Reports» . Die Luftballonteile verstopften den Magen-Darm-Trakt häufiger, weil sie nicht so leicht durchrutschen.

Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass weiches Plastik auch für Meeresschildkröten besonders gefährlich ist.

Roman und ihr Team hatten insgesamt 1733 tote Vögel untersucht. Jeder dritte hatte Plastik im Magen. Verstopfungen im Magen-Darm-Trakt und damit verbundene Infektionen oder Komplikationen waren die häufigsten Gründe für ihren Tod.

Egal ob hart oder weich, Plastik ist für Seevögel immer gefährlich. «Wenn ein Vogel Plastik frisst, stirbt er eher - auch ein einziges Stück kann töten», sagt Roman.

Jedes Jahr gelangen Schätzungen zufolge mehr als sechs Millionen Tonnen Müll in die Meere. 80 Prozent davon ist Plastik. Dieser tötet laut Unesco jährlich eine Million Seevögel und mehr als 100 000 Meeressäugetiere. Seevögel, Schildkröten und Wale halten den Müll oft für Nahrung oder verfangen sich darin. So erleiden sie entweder schmerzhafte Verletzungen oder sterben. (dpa)

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