Mit Rechtsextremen verwoben
Bürgerwehren im Visier des NRW-Verfassungsschutzes

Düsseldorf/Essen -

Die Auftritte wirken martialisch, sollen Eindruck schinden: In mehreren Städten formiert sich eine neue Szene aus Rechtsextremisten, Hooligans und Rockern, die als bürgerwehrähnliche Gruppierungen durch einzelne Stadtteile in Düsseldorf, Essen, Herne, Köln und Mönchengladbach ziehen. Nach Erkenntnissen des NRW-Innenministeriums sind diese Gruppen untereinander vernetzt und mit der rechtsextremen Szene verflochten: „Es bestehen Kernverhältnisse unter den Gruppierungen und den einzelnen Mitgliedern.“ In der Folge unterstützten sich die Teilnehmer gegenseitig, heißt es in einem Bericht, den Innenminister Herbert Reul am Donnerstag dem Innenausschuss des Landtag präsentiert hat.

Donnerstag, 26.09.2019, 19:50 Uhr aktualisiert: 26.09.2019, 20:18 Uhr
Ein Vertreter der „Steeler Jungs“ aus Essen
Ein Vertreter der „Steeler Jungs“ aus Essen Foto: dpa

Dabei räumten Rocker und Hooligans den Rechtsextremisten demonstrativ Platz ein. Nach den gewalttätigen „Hogesa“-Krawallen („Hooligans gegen Salafismus“) habe eine Politisierung eingesetzt.

Verbindung in die rechtsextreme Szene

In Essen-Steele starten die Mitglieder der „First Class Crew – Steeler Jungs“ seit April 2018 zu abendlichen Rundgängen mit Fraktur-Schriftzug auf Kappen oder T-Shirts, mal nehmen 50, mal 100 Personen teil – darunter oft auch Frauen und Kinder aus dem familiären Umfeld, berichtet das Innenministerium . Der Organisator entstamme dem Hooligan- und Rockermilieu. Der NRW-Verfassungsschutz hat die Gruppierung bereits länger im Fokus, einige Mitglieder hätten Verbindung in die rechtsextremistische Szene.

Was die Rundgänge suggerieren sollen

Mit den Rundgängen suggeriere die Gruppe, „dass der Staat das Gewaltmonopol gegenüber Kriminellen und Flüchtlingen verloren habe“, berichten die Verfassungsschützer. Inzwischen folgen in zwei weiteren Stadtteilen die „Huttroper Jungs“ und die „Borbecker Jungs“ dem Beispiel. Die Steeler Gruppierung pflegt nach Erkenntnissen des NRW-Innenministeriums Kontakt auch zu anderen Bürgerwehren, so etwa zur in Düsseldorf-Garath mit mehr als 50 Mitgliedern auftretenden „Bruderschaft Deutschland“, zu den „Besorgten Bürgern Herne“ mit etwa 30 Personen sowie zu „Mönchengladbach steht auf“. Von dort gibt es wiederum Verbindungen zur „Kölschen Mitte“.

Mitglieder bei rechtsextremen Veranstaltungen

Zwischen den Gruppierungen und der rechtsextremen Szene haben sich laut Verfassungsschutz teils enge Verbindungen entwickelt. So hätten zehn Mitglieder der „Besorgten Bürger Herne“ im Juni am Neonazi-Festival „Schild und Schwert“ in Os­tritz teilgenommen. Auch Vertreter der anderen Gruppen seien an rechtsextremen Veranstaltungen beteiligt gewesen. Besuchskontakte gebe es in Essen und Herne zur Kampfsportszene. Das Innenministeriums nennt auch Kontakte zu Politikern der AfD, die in NRW nicht beobachtet wird.

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