Freie Kita-Träger sehen Risiken bei Kibiz-Reform
Trotz mehr Geld skeptisch

Düsseldorf -

Ein ordentlicher Schluck aus der Pulle – so preist NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) die mit mehr als einer Milliarde Euro zusätzlich ausgestattete Reform des Kinderbildungsgesetzes an. Doch aus Sicht insbesondere der freien Kita-Träger wie Wohlfahrtsverbänden und Kirchen lässt sich damit noch nicht die erhoffte bessere Betreuung der Kinder gewährleisten, wie am Montag bei einer Expertenanhörung im Landtag deutlich wurde. 

Montag, 30.09.2019, 19:48 Uhr aktualisiert: 30.09.2019, 19:58 Uhr
Viele Kinder müssen auch außerhalb der „normalen“ Kita-Zeiten betreut werden. Etliche Träger sind damit aber überfordert.
Viele Kinder müssen auch außerhalb der „normalen“ Kita-Zeiten betreut werden. Etliche Träger sind damit aber überfordert. Foto: dpa

►  Finanzlücke: Land und Kommunen erhöhen das Budget für die Kindpauschalen zu gleichen Teilen ab dem Kita-Jahr 2020/21 um rund 750 Millionen Euro jährlich, um so die Personalkosten abzufedern. Ein guter Schritt, aber die Kitas seien damit nicht auskömmlich finanziert, weil das Ministerium den Trägern Sachkosten von 570 Millionen Euro im Jahr aufbürde, kritisierte Heinz-Josef Kessmann im Namen der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Die Lücke sei nur zu schließen, wenn die Träger beim Personal sparen. Aus Sicht der Gewerkschaftsvertreter haben solche Sparmaßnahmen in Folge knapper Kita-Kassen den Beruf unattraktiv gemacht. Dagegen warnte Stefan Hahn vom NRW-Städtetag: Nicht die Finanzen seien das Problem, vielmehr drohe das Ziel einer besseren Betreuungsqualität am Fachkräftemangel zu scheitern.

►  Finanznot: Die Kirchen-Vertreter warnten, viele katholische und evangelische Gemeinden seien nicht in der Lage, den künftig auf 10,2 Prozent sinkenden Kostenanteil zu stemmen, sie seien weiter auf Zuschüsse der Kommunen angewiesen. Sie fürchten allerdings, dass Städte und Gemeinden hier einen Teil der höheren ­Ausgaben wieder einsparen. Die Trägervielfalt sei in Gefahr.

►  Flexiblere Öffnungszeiten: Für berufstätige Eltern mit besonders frühen oder späten Arbeitszeiten stellt das „Gesetz zur qualitativen Weiterentwicklung der frühen Bildung“ flexiblere Öffnungszeiten in Aussicht. Vor allem die vielen kleinen Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft seien damit ohne zusätzliches Personal überfordert, mahnte Ferdinand Claaßen vom Katholischen Büro.

►  Beitragsfreiheit: Familien sollen ab 2020/21 von einem zweiten beitragsfreien Kita-Jahr profitieren. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrts pflege rügen, damit fehle für qualitative Verbesserung in den Kitas Geld, das nun als Kompensation an die Kommunen fließt. Katja Wegner-Hens, Vorsitzende des Landeselternbeirats NRW, äußert die Sorge, dass Städte und Gemeinden ihre steigenden Kosten mit höheren Elternbeiträgen in nicht befreiten Kita-Jahren ausgleichen.

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