Gesundheit
Apothekenfall: Geringe Giftspuren in weiterem Tütchen

Nach dem Tod einer Frau und ihres notgeborenen Kindes in Köln laufen die Ermittlungen. Vergiftete Glukose aus einer Apotheke gilt als Ursache. In einem weiteren Tütchen fanden sich Spuren des selben Giftes. Die Apotheken bleiben geschlossen.

Mittwoch, 02.10.2019, 17:20 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 17:32 Uhr
Vor der der Heilig Geist Apotheke in Köln blühen Blumen.
Vor der der Heilig Geist Apotheke in Köln blühen Blumen. Foto: Federico Gambarini

Köln/Düsseldorf (dpa/lnw) - Im Fall der vergifteten Glukose aus einer Kölner Apotheke mit zwei Toten haben die Ermittler in einem Tütchen einer weiteren Patientin Spuren der toxischen Substanz festgestellt. Dabei handele es sich nur um sehr geringe Spuren, «die bei einer Einnahme offenbar nicht gesundheitsschädigend gewesen wären», erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln am Mittwoch auf Anfrage.

Die Patientin hatte das Tütchen nach einem Aufruf der Behörden abgegeben. Der Inhalt war dann vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln untersucht worden. Weitere Personen hätten sich auf den Aufruf nicht gemeldet. Um welche toxische Substanz es sich in dem Glukosemittel beziehungsweise Tütchen genau handelt, wollten die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen bisher nicht sagen. Im Gesundheitsausschuss des Landtags erklärten Vertreter des Gesundheitsministeriums, die giftige Substanz müsse in der Apotheke in die Glukosetüten gelangt sein. Die Lieferkette könne ausgeschlossen werden.

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Derzeit würden Beweismittel ausgewertet und Zeugen vernommen. «Konkrete Hinweise darauf, dass in der betreffenden Apotheke gelagerte Glukose in anderen Apotheken verkauft worden wäre, liegen - jedenfalls derzeit - nicht vor», heißt es von der Behörde.

Eine schwangere Frau und ihr mit einem Notkaiserschnitt geborenes Baby waren am 19. September an Organversagen gestorben. Zuvor hatte die 28-Jährige eine Glukose-Mischung aus der Kölner Apotheke zu sich genommen. Das Präparat war Teil eines Routinetests auf Diabetes in der Schwangerschaft. Erst einige Tage später wurde die Öffentlichkeit informiert und der betroffenen Apotheke untersagt, Medikamente abzufüllen oder selbst zu mischen.

Am 26. September ordneten Land und Bezirksregierung die Schließung der Apotheke und zweier weiterer des gleichen Verbundes an. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) räumte im Ausschuss ein, dass man «einen Tag schneller» über die Schließung hätte entscheiden können. Es hätten aber zuvor viele Beteiligte angehört werden müssen. Die drei Kölner Apotheken bleiben vorerst geschlossen. «Wir prüfen jeden Tag, ob es eine neue Lage gibt», sagte Laumann. So lange Vorsatz bei der Vergiftung der Glukose-Mischungen nicht ausgeschlossen werden könne, habe der Patienten- und Gesundheitsschutz «absoluten Vorrang».

Der betroffene Apothekenbetreiber hat auf Wiedereröffnung geklagt und eine einstweilige Verfügung gegen die Stadt beantragt. Das Kölner Verwaltungsgericht will nach Angaben einer Sprecherin frühestens nächste Woche darüber entscheiden. Zuvor hatte der «Express» über den Gerichtsantrag und das Analysergebnis zu dem abgegebenen Tütchen berichtet.

Nach Worten Laumanns geht es auch um das Vertrauen in das Gesundheitssystem und in die Medikamentensicherheit. Das von den Beitragszahlern finanzierte System müsse halten, was es verspreche. Das Vertrauen sei nach dem Bottroper Apothekenskandal «schon erschüttert genug». In dem Bottroper Medizinskandal soll ein Apotheker Tausende Krebsmedikamente gestreckt und sich so um einen zweistelligen Millionenbetrag bereichert haben. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

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