Eine Frage der Wertschätzung
Neue GEW-Chefin Maike Finnern bricht Lanze für Grundschullehrkräfte

Düsseldorf -

Zum Ende der Sommerferien gab es Post für die Grundschulen. Im Amtsblatt für September hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) neue Vorgaben gemacht, wie in den ersten vier Klassen der künftige Rechtschreibunterricht gestaltet werden soll, damit die Kinder am Ende einen Grundwortschatz von 533 Begriffen sowie 200 bis 300 individuelle Wörter beherrschen. 

Dienstag, 08.10.2019, 19:36 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 19:59 Uhr
Die neue Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern
Die neue Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern Foto: Alexander Schneider

Das sei eindeutig die falsche Botschaft und gehe an den Problemen der Grundschulen vorbei, kritisiert die neue Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ( GEW ), Maike Finnern , im Gespräch mit dieser Zeitung. „Deren Sorge ist eher, wie sie überhaupt zu einem verbindlichen Grundwortschatz kommen.“ Dabei habe sehr geholfen, die Lehrer durch sozialpädagogische Fachkräfte zu unterstützen. Leider stocke der Ausbau von zuletzt 600 Stellen im Jahr.

Zur Lösung der eigentlichen Probleme aber müsse Ministerin Gebauer endlich ihren immer wieder angekündigten „Masterplan Grundschule“ vorlegen, fordert Finnern: „Die Schulen mit den größten Herausforderungen haben den größten Personalmangel. Darauf muss die Ministerin mit dem angekündigten Masterplan Grundschule endlich Antworten geben.“ Als Maßnahme gegen den Lehrermangel müssten Seiteneinsteiger eine Perspektive bekommen, sowohl für ihre mit Tarifstufe 10 magere Bezahlung als auch für ihre Qualifizierung. Zudem müssten kurzfristig neue Studienplätze geschaffen werden, um die prognostizierte Zuspitzung von mindestens 15 300 Lehrkräften bis 2025 abzufangen.

Auch eine Frage der Bezahlung 

Und natürlich erwartet die GEW-Vorsitzende im Masterplan auch ein Signal für die Lehrkräfte, dass ihre Besoldung auf A13 angehoben wird. Der Schritt sei längst überfällig, stellt sie klar und reibt das auch der SPD unter die Nase, die erst in der Opposition unterstütze, was sie in der Regierung nicht umgesetzt habe. Studierende entschieden sich für die besser bezahlte Laufbahn in der Sekundarstufe. „Es ist eine Frage der Wertschätzung, an den Grundschulen wird die Grundlage für jede Lern-Biografie gelegt“, sagt Finnern. „Was die Kolleginnen und Kollegen an Grundschulen leisten, ist nicht weniger wert als an Gymnasien.“

Bei den weiterführenden Schulen warnt die GEW-Chefin vor einer Spaltung des Schulsystems, wenn der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf in Schwerpunktschulen außerhalb der Gymnasien stattfinde. „Wenn fast die Hälfte aller Schüler an einem Gymnasium unterrichtet werden, dann können die Gymnasien nicht aus der gesellschaftlichen Verantwortung bei der Inklusion genommen werden“, fordert Finnern von Gebauer Korrekturen ein.

Professionelle Strukturen für Digitalisierung 

Als teure Großbaustelle könnte sich für die Ministerin auch das Thema Digitalisierung erweisen. Die GEW will in Musterprozessen klären lassen, dass das Land seine Lehrer mit Endgeräten ausstatten muss, wenn sie diese beruflich nutzen sollen. „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Lehrkräfte sich privat ein Endgerät für dienstliche Geschäfte anschaffen müssen“, moniert Finnern. Noch immer hänge die Entwicklung an einzelnen Lehrern, statt professionelle Strukturen zu schaffen.

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