Prozesse
Antisemitischer Vorfall in Bonn: 21-Jähriger verurteilt

Bonn (dpa) - Im Prozess um einen Angriff auf einen jüdischen Professor in Bonn ist der Angeklagte wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Das Gericht verurteilte den 21-Jährigen zu einer Gesamtstrafe von viereinhalb Jahren - darin enthalten ist aber auch eine frühere Verurteilung wegen eines Raubüberfalls in Höhe von drei Jahren und neun Monaten, die er derzeit absitzt. Auch wurde der Angeklagte wegen Beleidigung in einem anderen Fall verurteilt.

Montag, 14.10.2019, 18:58 Uhr aktualisiert: 14.10.2019, 19:12 Uhr
Ein wegen eines Angriffs auf einen jüdischen Professor angeklagter Mann sitzt neben seiner Anwältin.
Ein wegen eines Angriffs auf einen jüdischen Professor angeklagter Mann sitzt neben seiner Anwältin. Foto: Christoph Driessen

Der Deutsche mit palästinensischen Wurzeln hatte gestanden, dem Professor aus den USA im Juli 2018 im Bonner Hofgarten mehrfach die Kippa vom Kopf geschlagen zu haben. «Sie haben ein Symbol des jüdischen Glaubens vom Kopf geschlagen», sagte die Vorsitzende Richterin Susanne Grunert. Dies sei geeignet, den öffentlichen Frieden zu gefährden. Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre gefordert, die Verteidigung nicht mehr als vier.

Der Professor Jitzchak Jochanan Melamed war kurz nach dem Vorfall von Polizisten überwältigt worden, weil sie ihn irrtümlich für den Täter hielten. Eine anschließende Untersuchung der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass der Polizei kein Fehlverhalten nachzuweisen sei. Melamed protestierte dagegen in einer Erklärung, die in der Verhandlung am Montag von seinem Anwalt Carsten Ilius verlesen wurde. Ilius sagte zum Abschluss der Verhandlung: «Jüdische Existenz - und das ist irre - wird wieder prekär in Deutschland.»

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