Prozesse
Tödlicher Rockerstreit: Blutspur im Auto

Nach dem gewaltsamen Tod eines Mitglieds der Freeway Rider geraten vier Bandidos ins Visier der Fahnder. Belastet werden sie unter anderem von einer Blutspur. Vor Gericht wollen sie schweigen.

Mittwoch, 16.10.2019, 12:45 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 12:52 Uhr
Das Justizzentrum in Essen.
Das Justizzentrum in Essen. Foto: Maja Hitij

Essen (dpa/lnw) - Das Opfer wurde von fünf Messerstichen getroffen - in den Oberschenkel und in den Rücken. Der 63-Jährige hatte keine Chance. Nach einem tödlichen Streit im Rocker-Milieu müssen sich seit Mittwoch vier Mitglieder der Bandidos vor Gericht verantworten. Die deutschen und türkischen Angeklagten sollen in der Nacht auf den 13. Oktober 2018 ein Mitglied der sogenannten Freeway Riders auf offener Straße umgebracht haben. Zum Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht haben sich die Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Hintergründe der tödlichen Bluttat sind unklar. Das spätere Opfer hatte in Gelsenkirchen mit anderen Rockern der Freeway Riders gefeiert. Er selbst war laut Anklage Vizepräsident des Chapters Hattingen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der 63-Jährige gegen Mitternacht zu Fuß auf den Heimweg machte. Dass er betrunken war, steht fest. Eine Blutprobe hatte später über zwei Promille ergeben.

Die Angeklagten sollen den 63-Jährigen auf einer Straße südlich der Gelsenkirchener Altstadt gestoppt haben. Dabei stachen sie «aus nicht näher bekannt gewordenen Gründen» auf ihr Opfer ein, heißt es in der Anklage. Anschließend sollen die «Bandidos» dem 63-Jährigen auch noch dessen Freeway-Riders-Kutte abgenommen haben. Sie soll bis heute nicht wieder aufgetaucht sein.

Eine Auswertung der Mobilfunk-Zelle am Tatort hatte die Ermittler schließlich zu den 24 bis 27 Jahre alten Männern aus Dortmund, Bochum, Herne und Essen geführt. Außerdem soll im Auto eines der Angeklagten eine Blutspur gesichert worden sein, die möglicherweise dem Opfer zuzuordnen ist. Dabei könnte es sich um einen Abrieb von der blutverschmierten Kutte handeln. Zudem soll es Beobachtungen eines Busfahrers geben, der in Tatortnähe gewesen sein soll.

Ob die Indizien reichen, ist unklar. «Es wird in diesem Fall viel spekuliert und vermutet», sagte Verteidiger Burkhard Benecken am Rande des Prozesses. Nach Angaben der Anwälte wollen die Angeklagten von ihrem Schweigerecht Gebrauch machen. Sie waren Anfang März - und damit rund fünf Monate nach der Bluttat - festgenommen worden.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Totschlag. Die Richter am Essener Schwurgericht haben am ersten Verhandlungstag aber bereits bekannt gegeben, dass im Falle des Tatnachweises auch eine Verurteilung wegen Mordes oder wegen Raubes mit Todesfolge in Betracht komme.

Für den Prozess sind zunächst noch 23 Verhandlungstage bis zum 30. März 2020 vorgesehen.

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