Fußball
Militär-Salute: «Nicht auf Nase rumtanzen lassen»

Nach einem Militär-Salut von zumindest Teilen ihrer Spieler müssen sich drei Amateur-Vereine vor dem Verbandssportgericht verantworten, darunter ein Tabellenführer. Dort versteht man den Ärger nicht.

Mittwoch, 16.10.2019, 19:02 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 19:12 Uhr
Am Zaun des Sportplatzes der SG Hillen 1921/49 hängt das Vereinslogo.
Am Zaun des Sportplatzes der SG Hillen 1921/49 hängt das Vereinslogo. Foto: Fabian Strauch

Recklinghausen (dpa/lnw) - Der Verband will ein Zeichen setzen, auf der Gegenseite herrscht Unverständnis: Drei Amateurfußball-Clubs aus dem Kreis Recklinghausen müssen sich wegen eines Militär-Saluts ihrer Spieler vor dem Verbandssportgericht verantworten. Der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich dabei um die SG Hillen, um Genclikspor Recklinghausen und um die zweite Mannschaft der DTSG Herten handelt. Zuvor hatte der WDR darüber berichtet.

«Wir lassen uns nicht auf der Nase rumtanzen und von Minderheiten kaputtmachen», sagte Matthey nach einer Sitzung des Kreisvorstandes am Dienstagabend. Dem Gremium lagen Bilder vor, die die Fälle dokumentieren. Auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) kündigte eine «Null-Toleranz-Politik» an. «Der Fußball lässt sich weder für Provokation noch für Diskriminierung missbrauchen», sagte der für den Amateurfußball zuständige Vizepräsident Manfred Schnieders im Namen des Präsidiums.

Auch der Integrationsbeauftragte des Verbandes, Riza Öztürk, befürwortet diese Haltung. «Wir können und müssen Strafen aussprechen, um zu signalisieren, dass wir so etwas nicht dulden», sagte er. Auch der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) betonte, dass die Fußballplätze frei von politischen Gesten und Statements bleiben müssen. FVM-Präsident Bernd Neuendorf erklärte: «Politisch motivierte Stellungnahmen haben auf unseren Fußballplätzen nichts zu suchen.

Bei den drei bisherigen Fällen habe in einem Fall die komplette Mannschaft mitgemacht, erläuterte Matthey: «Bei den anderen ging es um Gruppierungen von fünf bis sechs Spielern.» Bei Genclikspor, Tabellenführer in der A-Klasse, zeigt man dagegen kein Verständnis für das Vorgehen des Verbandes. «Dass mit Geldstrafen oder Punktabzug gedroht wird, verstehe ich überhaupt nicht. Wo bleibt da die Meinungsfreiheit», fragte der Vorsitzende Hakki Gürbüz. Man habe in der Kabine ein Foto mit türkischer Fahne gemacht, dabei hätten einzelne Spieler den Militärgruß gezeigt. «Aber das war als reine Gedenkminute für die verstorbenen Soldaten gedacht», sagte Gürbüz: «Das Thema Militärgruß wird derzeit ohnehin viel zu hoch gehängt. Ich weiß nicht, was das soll.»

Das entsprechende Foto habe der Verein inzwischen bei Facebook entfernt und sich «bei denjenigen entschuldigt, die sich dadurch angegriffen gefühlt haben», sagte Gündüz und versicherte: «Unser Verein hält sich eigentlich von allem Politischen fern. Wir vereinen Spieler aus vielen Völkern. Dafür haben wir den Verein 1994 gegründet. Dafür haben wir 2011 den Integrationspreis der Stadt bekommen, und es gab sogar einen Kinofilm über uns.»

Matthey erklärte, das Vorgehen diene natürlich auch als Zeichen der Abschreckung. «Wir wollen vermeiden, dass sich solche Vorgänge wiederholen. Deshalb halte ich es für ein starkes Zeichen des Verbandes, dass die Fälle vor seinem höchsten Sportgericht verhandelt werden», erklärte er: «Ich gehe davon aus, dass wir am nächsten Wochenende keine politisch geprägten Zwischenfälle haben werden.»

Dafür will der Kreis auch bestmöglich sorgen. «Wir werden unsere Schiedsrichter anhalten, alles zu protokollieren, was ihnen auffällt», sagte Matthey. Zudem würden Staffelleiter vermehrt vor Ort sein: «Wir werden auf jeden Fall mit dem langen Arm dabei sein.»

Das Strafmaß beginnt bei 500 Euro Geldstrafe und ist theoretisch nach oben offen. «So einen Fall hatten wir noch nicht», erklärte der Kreisvorsitzende: «Wir hatten schon rassistische oder politisch motivierte Fälle. Aber da ging es um Einzelpersonen. Das hier ist für uns komplettes Neuland.» Die Vereine müssen sich zunächst erklären, dann wird entschieden, ob es zur Verhandlung kommt. Sollte dort kein Urteil fällen, könnten die Fälle bis zum DFB-Sportgericht gehen. «Das glaube ich allerdings nicht», sagte Matthey.

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