Prozesse
Mord an Tochter der Lebensgefährtin: lebenslange Haftstrafe

Mit fünf Messerstichen hat ein Mann (66) die Tochter seiner Lebensgefährtin getötet. Lebenslänglich lautet das Urteil. Der Richter fand eindringliche Worte.

Dienstag, 03.12.2019, 17:50 Uhr aktualisiert: 03.12.2019, 18:02 Uhr
Statue der Justitia.
Statue der Justitia. Foto: David-Wolfgang Ebener

Bonn (dpa/lnw) - Wegen heimtückischen Mordes an der Tochter (43) seiner Lebensgefährtin ist ein 66-Jähriger in Bonn zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter des Landgerichts sprachen am Dienstag außerdem der 68-jährigen Mutter des Opfers ein Schmerzensgeld dem Grunde nach zu, ohne einen konkreten Betrag zu nennen. «Es ist mit das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, wenn vor ihren Augen die Tochter getötet wird», sagte der Kammervorsitzende Klaus Reinhoff . Eine besondere Schwere der Schuld, die die Nebenkläger gefordert hatten und die eine vorzeitige Haftentlassung ausgeschlossen hätte, wurde nicht festgestellt.

Der Täter hatte Ende Juni die 43-Jährige in einem Gewächshaus, wo sie mit der Mutter Gurken gegossen hatte, überrascht und hinterrücks mit fünf Messerstichen getötet. Hintergrund des Verbrechens war laut Urteil ein Streit um 100 000 Euro, die der Angeklagte von seiner Lebensgefährtin gefordert hatte, weil sie nach der Trennung das zehn Jahre gemeinsam bewohnte Haus für sich alleine behalten wollte. Er hatte ein Rechtsanwaltsschreiben bekommen mit der Aufforderung, binnen drei Wochen auszuziehen. Zudem habe er auch keine Ansprüche. «Die beiden haben mich betrogen», hatte der Angeklagte erklärt. Dafür habe die Tochter sterben müssen, hieß es im Urteil.

Unmittelbar nach den Messerstichen auf die Tochter in Troisdorf hatte der Täter zu seiner Lebensgefährtin den im Prozess umstrittenen Satz gesagt: «Jetzt hast Du kein Leben mehr. Jetzt hast Du Dein Haus.» Anschließend hatte er sich der Polizei gestellt. Einen niederen Beweggrund als zweites Mordmotiv - wie es die Staatsanwältin im Plädoyer gefordert hatte - konnte die Kammer nicht feststellen: Es sei nicht sicher, ob er die Tochter aus reinem Zorn getötet habe oder ob er die Mutter mit dem Tod der Tochter bestrafen wollte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haft gefordert. Die Verteidigung hatte für auf eine milde Strafe plädiert.

«Welche Lücke so ein Tod hinterlässt, das hat dieser Prozess sehr deutlich gemacht», erklärte der Kammervorsitzende Reinhoff in der Urteilsbegründung. Die Familie des Opfers hatte im fünftägigen Prozess von dem furchtbaren Verlust berichtet: «Sie war mein Leben!», sagte der Ehemann. Und die Mutter, die das Sterben der Tochter nicht verhindern konnte, hatte gesagt: «Sie war der Sinn meines Lebens.»

Der Angeklagte, der die deutsche und die russische Staatsangehörigkeit hat, zeigte beim Urteil keinerlei Regung. Er hatte im Prozess angegeben, sich an die Tat nicht mehr erinnern zu können. Die Kammer hatte ihn als jemand beschrieben, der auf seinem Recht pochen wollte. «Ich bin derjenige, der hier bestimmt», fasste der Richter seine Einschätzung über den Angeklagten zusammen. Als dies nicht eingetreten sei, sei er durchgedreht. Eine eingeschränkte Schuldfähigkeit habe jedoch bei dem Angeklagten nicht vorgelegen.

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