Prozesse
Prozess um Gewalt zwischen Clans: Polizei sichert Gericht

Großer Aufwand für einen Prozess um Körperverletzung: Viel Polizei hat am Freitag ein Verfahren am Essener Amtsgericht gesichert. Opfer und Täter sollen verfeindeten Großfamilien zuzurechnen sein.

Freitag, 06.12.2019, 14:10 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 14:22 Uhr
Eine Statue der Göttin Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.
Eine Statue der Göttin Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: Stefan Puchner

Essen (dpa/lnw) - Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat in Essen ein Prozess begonnen, bei dem es um eine Gewalttat zwischen verfeindeten arabischen Großfamilien geht. Die Polizei unterstütze die Justiz im Gericht und kontrolliere auch die Zufahrtsstraßen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Anreisende mutmaßliche Angehörige der Großfamilien würden auf Waffen kontrolliert.

Acht Jugendliche und junge Männer im Alter von 16 bis 21 Jahren sind am Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie sollen den Spross des Oberhaupts einer verfeindeten Großfamilie im Juni auf einem Schulhof in Essen heimgesucht und brutal zusammengetreten haben. Dabei soll das Opfer auch gegen den Kopf getreten worden sein.

«Ich habe nicht nachgedacht», sagte einer der Angeklagten beim Prozessauftakt. «Das war ein Fehler.» Er sei über Handy zum späteren Tatort bestellt worden, dann seien auch schon alle losgerannt. Hintergrund der Tat war angeblich Rache. «Mir wurde gesagt, es gehe um ein Mädchen, das erpresst werde», so einer der Angeklagten. Details habe er aber gar nicht gekannt.

Das Opfer hatte damals auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Weil sie die Tat gefilmt haben sollen und das Video in die Hände der Ermittler gelangte, gilt die Beweislast als erdrückend. Mehrere Angeklagte hätten sich zur Tat eingelassen, niemand habe sie bestritten, sagte eine Gerichtssprecherin am Freitag. Der Prozess werde fortgesetzt.

Das 18-jährige mutmaßliche Opfer sitzt derzeit selbst in Untersuchungshaft, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Essen. Der junge Mann müsse sich demnächst in einem anderen Verfahren dem Vorwurf stellen, eine Frau vergewaltigt zu haben.

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