Vorstoß aus Umweltministerium
Kampf gegen Plastikfolie und Einwegbecher

Düsseldorf -

Sie verursachen Abfallberge. Plastikfolien, Einwegbecher – doch die Politik hat ihnen den Kampf angesagt. Jetzt wird NRW-Umweltministerin Heinen-Esser konkret.

Freitag, 06.12.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 21:59 Uhr
Einwegverpackungen sollen reduziert werden.
Einwegverpackungen sollen reduziert werden. Foto: snapshot-photography/R.Price

In Plastik eingeschweißtes Obst und Gemüse, Postwurfsendungen in Kunststoffhülle oder Kaffee in Einwegbechern – NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser will dem unverändert hohen Verbrauch zügig Einhalt gebieten. „Eine Wegwerfgesellschaft ist keine Werbung für eine zukunftsgewandte Wirtschaftsnation“, sagte die CDU-Politikerin dieser Zeitung. Dafür brauche es ein gesellschaftliches Bündnis gegen die „steigende Flut von Verpackungsmüll“.

Bereits Ende 2018 hatte sie eine Initiative angekündigt, um Unternehmen und Verbraucher zu alternativen Verpackungen zu bewegen. Ein knappes Jahr später hat sie mit anderen Ländern eine Bundesratsinitiative gestartet, die von der Bundesregierung konkrete Schritte gegen Einwegverpackungen und -produkte aus Plastik sowie die sinkende Mehrwegquote fordert.

Der Vorstoß zielt - auf Heinen-Essers Initiative – auch auf Postwurfsendungen in Plastikhüllen, wie sie etwa die Post selbst jedes Wochenende in die Haushalte trägt. Allerdings wählte die Länderkammer zunächst die weiche Variante: Der Bund solle mit Post und Logistikunternehmen eine freiwillige Vereinbarung treffen, dass diese künftig auf „die Verwendung unnötiger Verpackungsmaterialien in Form von Plastikversandtaschen für Postwurfsendungen“ verzichten. Das wäre ein erster Schritt, meinte die Ministerin – und mahnt: Wenn es keine Vereinbarung gebe oder die wirkungslos bleibe, strebe sie ein Verbot an: „Warum muss Papier noch einmal in Plastik verpackt werden?“

Jährlich fallen 2,8 Milliarden Wegwerfbecher an

Grundsätzlich forderte Heinen-Esser den Verzicht auf Plastik wo eben möglich. Die Wirtschaft solle auf aufwendige Verpackung verzichten und ausschließlich auf wiederverwertbare Materialien zurückgreifen. Sie warb für ein Anreizsystem, das Verbraucher belohnt, wenn sie auf Einwegverpackungen verzichten. Um in Plastik verpacktes Obst oder Gemüse sollten sie etwa einen weiten Bogen machen.

Ebenso auf dem Kieker hat sie die für den Kaffee unterwegs verwendeten Einwegbecher. Dass einzelne Händler mitgebrachte Becher ihrer Kunden mit Preisnachlass belohnen, gefalle ihr. Aber die Wirkung ist begrenzt. Nach einer Studie des Umweltbundesamtes wandern in Deutschland jedes Jahr 2,8 Milliarden Wegwerfbecher in den Müll, fast jeder zweite davon mit Plastikdeckel (1,3 Milliarden).

Heinen-Esser stimmt das skeptisch: „Perspektivisch müssen wir aber auch über ein Pflicht-Pfand nachdenken, wenn freiwillige Lösungen die Flut an Einwegbechern nicht dämmen.“ Die Länder haben den Bund aufgefordert, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, damit Kommunen sich einen Teil der Entsorgungskosten für Einwegbecher oder -teller zurückholen können.

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