Kriminalität
Messerangriff auf Stadt-Mitarbeiter: Reul will Meldesysteme

Der tödliche Angriff auf einen Kölner Stadt-Mitarbeiter wirkt nach: Der NRW-Innenminister pocht auf einen besseren Austausch über Angriffe auf Amtsträger - der mutmaßliche Täter war nämlich nicht zum ersten Mal aufgefallen. In Köln kommt ein solches System zu spät.

Montag, 16.12.2019, 17:31 Uhr aktualisiert: 16.12.2019, 17:42 Uhr
Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht während einer Pressekonferenz.
Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Federico Gambarini

Köln (dpa/lnw) - Nach dem tödlichen Messerangriff auf einen Kölner Stadt-Mitarbeiter hat sich NRW-Innenminister Herbert Reul ( CDU ) für bessere Meldesysteme für Übergriffe auf Amtsträger ausgesprochen. «Wir müssen alle Informationen, die vorliegen, auch verlässlich denjenigen zugänglich machen, die auf der Straße oder an den Haustüren im Einsatz sind», sagte Reul dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Montag). Der Fall zeige, dass man der steigenden Zahl von Übergriffen auf Amtsträger, städtische Bedienstete, Polizisten und Rettungskräfte «mehr entgegensetzen» müsse.

Hintergrund: Der mutmaßliche Täter von Köln hatte nach Angaben der Polizei im März schon einmal eine Bedienstete einer anderen städtischen Behörde und einen Amtsarzt mit einem Schraubendreher angegriffen. Die Frau konnte die Attacke nach damaligen Angaben der Polizei mit einer Arbeitsmappe parieren und erlitt eine leichte Nasenverletzung. Polizisten - die damals dabei waren - schritten ein. Die Kämmerei, für die der nun getötete 47-Jährige arbeitete, wusste aber wohl von all dem nichts.

Der Mann hatte als Mitarbeiter in der Vollstreckungsabteilung Geld eintreiben wollen. Als er mit einer Kollegin am Freitag an einem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Dünnwald klingelte, öffnete ihm ein Bewohner - und stach nach Polizeiangaben sofort auf ihn ein. Ein Notarzt konnte ihn nicht mehr retten. Der mutmaßliche Täter wurde nach der Tat in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Ein Meldesystem für Angriffe auf Mitarbeiter im Außeneinsatz ist in Köln erst noch in Arbeit. Aktuell prüfe man, wie eine «Softwarelösung datenschutzkonform» eingesetzt werden könne, sagte ein Stadtsprecher. Zudem finde ein Austausch mit den unterschiedlichen Stellen statt, etwa auch mit dem Ordnungsamt. «Es gibt auch Dienststellen, die so etwas haben - aber sozusagen nur für sich», sagte er.

Reul sagte, dass Städte und Kommunen, die ein solches System noch nicht umgesetzt hätten, dies unbedingt tun müssten: «Es muss sichergestellt sein, dass Mitarbeiter, die im staatlichen Auftrag Bürgerkontakte haben, bestmöglich geschützt sind». In Fällen, in denen es vorher bereits Auffälligkeiten gegeben habe, sei «geboten, dass wir städtischen Mitarbeitern Polizeibeamte zur Seite stellen».

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist die Frage, ob die beiden Stadtmitarbeiter wirklich nicht hätten wissen können, dass von dem Verdächtigen eine Gefahr ausgeht, auch Teil der Ermittlungen. Bislang könne man dazu nichts sagen. Die Obduktion des Opfers sei mittlerweile abgeschlossen, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Der Mann sei demnach an einer Stichverletzung gestorben.

In Köln soll mit einer stadtweiten Gedenkminute an den Toten erinnert werden. Am Mittwoch um 12 Uhr seien alle Beschäftigten der Stadt aufgerufen, ihre Arbeit ruhen zu lassen, sagte ein Stadtsprecher. Zudem seien Kondolenz-Listen im Rathaus ausgelegt worden.

Die Kollegen des toten 47-Jährigen wollen an diesem Dienstag ihre Außentermine bei säumigen Schuldnern wieder regulär aufnehmen. Das sei mit den Mitarbeitern der Vollstreckungsabteilung gemeinsam besprochen und entschieden worden, teilte die Stadt mit. Allerdings könne jeder Mitarbeiter selbst entscheiden, ob er sich dazu wieder in der Lage fühle.

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